Coronakrise

Menschenleben retten oder die Wirtschaft retten? Der Bundesrat steckt im Dilemma – aber nur kurzfristig

Drive-Through-Setzlingsverkauf im Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf: Wenn Abstandhalten im Coop funktioniert, warum dann nicht auch in Gartencentern oder Möbelhäusern?

Drive-Through-Setzlingsverkauf im Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf: Wenn Abstandhalten im Coop funktioniert, warum dann nicht auch in Gartencentern oder Möbelhäusern?

Eine Wirtschaft mit sicheren Jobs für alle: Das ist eine Voraussetzung für unsere Gesundheit. Deshalb lassen sich in der Coronakrise Menschenleben und eine prosperierende Wirtschaft nicht gegeneinander ausspielen. Ein Kommentar.

Der Bundesrat steckt in der Coronakrise in einem Dilemma: Er will Menschenleben retten, und er will die Wirtschaft retten. Das Dilemma zeigt sich insbesondere bei der Frage: Wann sollen Schulen, Restaurants und Geschäfte wieder öffnen?

Für die Menschenleben spricht: So spät wie möglich.

Für die Wirtschaft spricht: So früh wie möglich.

Dieser Gegensatz beruht indes auf einer kurzfristigen Betrachtung. Schutz der Gesundheit und Schutz der Wirtschaft: Das ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Eine vitale Wirtschaft – sichere Jobs für alle – ist eine Voraussetzung für unsere Gesundheit. Frühere Wirtschaftskrisen zeigen, dass Massenarbeitslosigkeit und soziales Elend die Menschen krank machen.

Das 42-Milliarden-Franken-Paket für die Firmen ist darum nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Gesundheitspaket. Doch es bietet bloss Überbrückungshilfe. Konkurse lassen sich nur abwenden, wenn die Firmen ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Dazu braucht es einen stufenweisen Plan. Wenn Abstandhalten im Coop und in der Migros möglich ist, warum dann nicht als nächstes auch im Gartencenter oder Möbelhaus?

Unseriös ist, wenn Parlamentarier nun Daten nennen, wann «die Wirtschaft» wieder öffnen soll. Erstens wird das nicht auf einen Schlag geschehen. Und zweitens müssen jetzt vor allem die Wissenschafter sagen, wann Lockerungen möglich sind, und nicht die Politiker.

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