Am Anfang war ein Bildproblem. Der Zürcher Stadtpolizist Andreas Widmer hatte in seinem Nebenamt als Redaktor der Verbandszeitschrift «Police» Mühe, geeignete Titelbilder zu finden. Meistens ziert ein Polizeiauto die Front- seite des Gewerkschaftsblattes. Eine alte Boulevardregel besagt aber: Schöne Menschen machen sich auf einem Heftcover am besten.

Widmer sucht nun für den Polizeibeamten-Verband den ersten Mister und die erste Miss Polizei der Schweiz. Schon im Frühling sollen die Gewinnerin und der Gewinner auf der Titelseite präsentiert werden. Der Polizist hofft, mit der Aktion das Image seines Berufsstandes verbessern zu können.

Mit dem Schönheitswettbewerb drängt Widmer in eine Marktlücke. Denn mangels Sponsoren gibt es seit 2012 keine Mister-Schweiz-Wahl mehr. Eine Branche dürfte ihr besonders nachtrauern. Bei der letzten Mister-Schweiz-Wahl bewarben sich gleich acht Polizisten. Der Organisator sah damals eine Logik in dieser Häufung: Polizisten wie auch Mister-Kandida- ten müssten «einen guten Body, einen Schweizer Pass und einen guten Leumund» haben, sagte er.

Bereits zweimal wurde ein Gesetzeshüter Mister Schweiz. 1995 war es der Thurgauer Marcel Specker und 1997 der Luzerner Alessandro Augsburger. Diesem brachte der Schönheitspreis gar berufliche Vorteile. Er sei auch in Uniform oft erkannt worden, sagte er in einem Interview. Das Schöne dabei: «Die Leute waren viel freundlicher. Ich musste fast kein böses Wort verlieren.»

Auch der aktuelle Mister Germany Pascal Unbehaun trägt beruflich eine blaue Uniform. Es ist allerdings nicht einfach, Schichtdienst und Modelkarriere zu vereinbaren. Diese Erfahrung machte der Berliner Streifenpolizist Marcello Barkowski, ein Mister Germany, der es sogar zur Nummer zwei der Mister-World-Wahl schaffte. Doch sein Arbeitgeber beurlaubte ihn nicht für Fernsehtermine. Deshalb kündigte er.

Erfahrung mit derartigen Wettbewerben hat auch die Familie des Zürcher Stadtpolizisten Widmer gemacht. Tochter Céline kandidierte 2017 für die Sendung «Bachelor». Sie wurde zwar nur Sechste, schaffte es aber dennoch auf die Titelseite des «Blicks». Sie vertraute der Zeitung an, einen Raserunfall gebaut zu haben. Dass sie eine Polizistentochter ist, behielt sie allerdings für sich. Nun stellt sie ihr Wissen als Jurymitglied für die Mister-Polizei-Wahl zur Verfügung.

Der erste Polizisten-Contest der Schweiz richtet sich nur an unter 50-Jährige. Falls die Aktion erfolgreich ist, soll im Herbst ein Wettbewerb für ältere Polizisten stattfinden. Ein Kandidat steht schon fest: Widmer sagt, er werde selber mitmachen.