Brisanter Entscheid

Muslimische Schüler dürfen Lehrerin den Händedruck verweigern

Die Sekundarschule in Therwil.

Die Sekundarschule in Therwil.

Nach der Debatte um Schwimmunterricht und Kopftuchtragen kommt nun aufgrund einer Sonderregelung an einer Baselbieter Schule ein weiteres Thema aufs bildungspolitische Tapet: Soll es muslimischen Schülern erlaubt sein, ihren Lehrerinnen den Handschlag zu verweigern?

Soll es muslimischen Schülern erlaubt sein, ihren Lehrerinnen den Handschlag zu verweigern? Gemäss Informationen der Zeitung «Schweiz am Sonntag» befassen sich mehrere Gemeinden mit dieser Frage, so in Baselland und der Zentralschweiz.

Nun liegt ein erster Entscheid vor. An der Sekundarschule Therwil (BL) wurde eine Vereinbarung mit muslimischen Schülern abgeschlossen, die es ihnen erlaubt, den Lehrerinnen die Hand nicht zu schütteln. Dies, nachdem sich zwei Schüler geweigert hatten, ihrer Klassenlehrerin die Hand zu geben.

Die Schulleitung hat diesen Entscheid bislang nicht kommuniziert und teilte auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» mit, sie könne erst am Montag dazu Stellung beziehen.

Im Islam gilt gemäss einigen Rechtsschulen, dass ein Mann eine Frau, die nicht seine Ehefrau ist, nicht berühren darf. In Therwil ist es Usus, dass die Schüler zur Begrüssung und zur Verabschiedung der Lehrkraft die Hand geben.

Nicht einverstanden mit der neuen Regel ist der Lehrerverein Baselland. Geschäftsleitungsmitglied Isabella Oser ist zuständig für Beratung und Rechtshilfe und befasste sich mit dem Fall. «Die von der Schulleitung beschlossene Order liegt nicht auf unserer Linie», sagt sie zur «Schweiz am Sonntag». Es handle sich um den Bruch einer Tradition und um eine Diskriminierung der Frauen: «Wir wollen nicht ins Mittelalter zurück.»

Inzwischen sind die Therwiler Schulbehörden an den Kanton gelangt. Die Baselbieter Bildungsdirektion soll vorgeben, wie man mit Händedruck-Verweigerern umgeht. Einen ähnlichen Fall gibt es in Muttenz (BL).

Meistgesehen

Artboard 1