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Nach Porno-Bildern an der Schule: Der Schwyzer Datenschutzbeauftragte nimmt Stellung

10-Jähriger zeigte auf seinem Handy Pornographie. (Themenbild)

10-Jähriger zeigte auf seinem Handy Pornographie. (Themenbild)

Ein 10-jähriger Bub hat im Kanton Schwyz einer Mitschülerin Pornobilder auf einem Computer im Klassenzimmer gezeigt – jetzt nimmt Philipp Studer, Öffentlichkeits- und Datenschutzbeauftragter des Kantons Schwyz, Stellung zu diesem Fall.

Der Vorfall an einer Schwyzer Primarschule zeigt, dass das Internet in Schulen nicht immer kindersicher ist. Ein Einzelfall?

Philipp Studer: Als Datenschutzbeauftragter des Kantons Schwyz ist uns bisher kein solcher Vorfall bekannt. In dieser Sache weiss ich nur, was in der Zeitung stand. Wir besuchten zwischen 2012 und 2016 beim sogenannten Kommunaluntersuch alle Schulen. Dabei besprachen wir mit den Schulleitungen und Rektoraten, einen Fragenkatalog zum Thema Datenschutz. Unser Ziel ist, dass nur gesetzmässige Datenbearbeitungen – auch am Computer – geschehen.

Womit wurden Sie in Sachen Datenschutz an Schulen bisher konfrontiert?

Vor allem mit Fotos auf Webseiten, etwa in Galerien. Eine Schule gab Eltern eine Liste aller Lagerteilnehmenden ab, die unnötigerweise auch die Konfessionen der Kinder und Eltern enthielt. Als ich vom Vorfall mit den Pornobildern las, erschrak ich auch.

Liegt die Verantwortung der Nutzung des Internets bei der Schule?

Ja. Beim eingangs erwähnten Kommunaluntersuch ging es um die Frage: Wer trägt die Verantwortung für den Datenschutz? Ist es die Schulleitung/das Rektorat zentral oder dezentral alle Mitarbeitenden der Schule selber? Nutzungsvorschriften zum Umgang mit dem Internet an der Schule sind sinnvoll und sollen klar aufzeigen, was man darf und was nicht. Widerhandlungen von Schülern, aber auch von Lehrpersonen geschehen.

Im aktuellen Fall geschah die Eingabe an einem der Schulcomputer beim Googeln während einer Gruppenarbeit.

Es ist besser, wenn die Lehrperson den zu suchenden Begriff angibt, sodass alle zum gleichen Resultat kommen, sofern niemand falsch tippt. Wenn jede Gruppe selbstständig – und vor allem ohne technischen Schutzfilter – irgendetwas eingeben kann, kann die Lehrperson kaum alles kontrollieren.

Gibt es Ihres Erachtens ein bestimmtes Alter, in dem die Kinder reif für Prävention sind?

Ein bestimmtes Alter ist meines Erachtens nicht das Kriterium. Vielmehr soll bei der Behandlung des Themas eine Sprache benutzt werden, welche die Kinder verstehen.

Im besagten Fall hat der Provider angeblich während der Schulzeit Wartungsarbeiten getätigt.

Wartungsfenster sind den Schulen unbedingt vorgängig mitzuteilen, sodass diese entsprechend reagieren können.

Heute hat jedes Kind sein eigenes Log-in und arbeitet über WLAN für die Schule auch zu Hause. Wo bleibt da die Kontrolle?

Jeder Zugang ins Netz wird protokolliert. Solche Protokollierungsdaten bleiben zur Nachvollziehbarkeit eine bestimmte Zeit gespeichert. Wir könnten diese Daten überprüfen.

Was raten Sie Eltern beim Umgang mit Handy und PC zu Hause?

Ich appelliere an die Vorbildfunktion der Eltern. So erscheinen gelebte Grundregeln wie zum Beispiel kein Handy am Tisch sinnvoll. Zudem kann man gewisse Funktionen für Kinder sperren. Bei Fragen stehen wir Betroffenen gerne unter www.kdsb.ch zur Verfügung.

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