Spätestens ab dem 25. Juli 2016 gab es, wie Recherchen zeigen, im Internet Hinweise auf ein grosses Nazi-Konzert im «Süden Deutschlands». An diesem Tag wurde auf Youtube ein Kurzvideo veröffentlicht, das mit Nazi-Musik unterlegt ist. Eingeblendeter Text: «Im Süden Deutschlands braut sich was zusammen».

Mit diesem Video auf Youtube kündigten die Veranstalter das Musikfestival  Ende Juli an

Mit diesem Video auf Youtube kündigten die Veranstalter das Musikfestival Ende Juli an

Dazu der Hinweis auf die Neonazi-Band «Stahlgewitter». Am 26. Juli postete ein einschlägig bekannter Neonazi-Versand das Konzertposter der Veranstaltung auf einer Facebook-Seite. Darauf sind die fünf Neonazi-Bands aufgelistet, die am 15. Oktober «in Süddeutschland» auftreten werden. Darunter «Amok» aus der Schweiz.

Hinweise gab es demnach schon früh. Der Schweizer Nachrichtendienst erfuhr gemäss eigenen Angaben aber erst am 11. Oktober von einem Partnerdienst, dass Ende Woche mit einem grossen Neonazi-Konzert zu rechnen sei und zwar vermutlich «in Süddeutschland». Erst um 15 Uhr des Veranstaltungstags selbst erfuhr der NDB den genauen Ort.

Isabelle Graber, Sprecherin des Schweizer Nachrichtendienstes (NDB), weist den Vorwurf zurück, dass der Dienst vor lauter Kampf gegen Islamisten die Überwachung der Neonazis vernachlässigt. «Dieser Vorwurf ist falsch. Der Kampf gegen den Gewaltextremismus (und also den Rechtsextremismus) bleibt eine wichtige Mission des NDB.»

5000 Rechtsextreme aus halb Europa hatten sich am Samstag in der Eventhalle in Unterwasser SG zum Nazirock-Konzert versammelt. Die Kantonspolizei St. Gallen erfuhr zu spät davon und konnte nicht mehr intervenieren, wie sie sagt. Sie will die Lehren ziehen, wie sie mitteilt: «Konzertveranstaltungen von rechts- oder linksextremen Kreisen sind im Kanton St. Gallen unerwünscht. Die Kantonspolizei wird solche Veranstaltungen nicht tolerieren und auf die Einhaltung der Rassendiskriminierungsstrafnorm achten.»

Sie sei aber auf Zusammenarbeit mit Behörden und Hinweise der Bevölkerung angewiesen, so die Kapo. Solche Konzerte könnten «nur mit einem rechtzeitigen Verbot, möglichst im Stadium der Planung, unterbunden werden.»