Dies zeigen die neusten Zahlen des Zürcher Headhunters Gudio Schilling. Noch 2016 sah es nach einer Trendwende aus. Von den neu zu besetzenden Stellen im Top-Management wurden 21 Prozent mit Frauen besetzt. Im vergangenen Jahr betrug dieser Anteil gerade noch 8 Prozent.

Schilling spricht von einem herben Rückschlag. Das Potenzial an Frauen im mittleren Kader, die in die Geschäftsleitung nachrücken könnten, sei derzeit schlicht nicht genügend. So würden nur 22 Prozent der neuen weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder intern befördert. Bei den Männern beträgt dieser Anteil 67 Prozent. Da die Auswahl an weiblichen Managerinnen schlicht nicht so gross sei, müssten die Firmen vor allem ausserhalb des Unternehmens nach geeigneten Kandidatinnen suchen.

Eines der Probleme sei, dass Frauen vor allem in sogenannten Service-Funktionen tätig sind, etwa in der Personaladministration oder in der Kommunikation. Ob diese Funktionen in der Geschäftsleitung vertreten seien, hänge stark vom Gusto des Firmenchefs ab. Schilling spricht dabei von einer Lotterie. Es brauche lediglich eine Umstrukturierung der obersten Führung, damit solche Service-Funktionen nicht mehr in der Geschäftsleitung angesiedelt seien. Frauen könnten sich damit nicht nachhaltig im Topmanagement etablieren.

Komme eine Frau von extern in die Geschäftsleitung eines Unternehmens, so sei sie mit einem doppelten Aufwand konfrontiert. So müsse sie sich gleichzeitig in die neue Funktion und in ein neues Unternehmen einarbeiten, sagt Schilling.

In der öffentlichen Verwaltung gelingt die Frauenförderung auf der Chefetage besser. Hier beträgt der Anteil der Frauen bereits 16 Prozent, ist also mehr als doppelt so hoch als in der Privatwirtschaft. Die Verwaltung biete die richtigen Berufsbilder, ist Schilling überzeugt und erwähnt etwa die Gesundheits- und Sozialdepartemente von Bund und Kantonen als Beispiel für geeignete Stellen für Frauen. Hinzu biete der öffentliche Sektor bessere Rahmenbedingungen, etwa mit geregelteren Tagesabläufen und einer geringeren Reisetätigkeit.

Etwas besser sieht die Situation in den Verwaltungsräten aus. Hier beträgt der Frauenanteil 19 Prozent. Dies hat damit zu tun, dass der Anteil der Frauen an den neu zu besetzenden Verwaltungsratssitzen in den letzten Jahren konstant über 20 Prozent liegt. Hier seien Frauen auf jedem Kompetenzprofil zu finden, sagt Schilling. Es sei also an den Unternehmen, die entsprechenden Frauen zu finden. Aber auch hier gebe es noch immer Firmen, die keine Frauen in ihren Verwaltungsräten haben. Dazu zählt etwa Alpiq, Oerlikon, Rieter oder Stadler Rail.

Im internationalen Vergleich hinkt die Schweiz hinterher. Um auf eine geforderte Quote von 30 Prozent zu kommen, muss der Anteil der Frauen jährlich um drei Prozentpunkte steigen, rechnet Schilling vor.