Interview
Oberster Seilbahnchef: «Wir müssen uns an die hohen Fallzahlen gewöhnen und lernen, damit zu leben»

Hans Wicki, Präsident der Titlis Bergbahnen und von Seilbahnen Schweiz, will, dass der Bundesrat die Kantone entscheiden lässt, ob Skigebiete offen bleiben oder nicht. Es brauche nun aber sicher keine schweizweite Lösung, sagt der FDP-Ständerat.

Doris Kleck
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Fände es «schwierig, wenn jetzt der Bundesrat wieder alles entscheidet»: FDP-Ständerat Hans Wicki (NW).

Fände es «schwierig, wenn jetzt der Bundesrat wieder alles entscheidet»: FDP-Ständerat Hans Wicki (NW).

CH Media

Der Kanton Zürich und der Kanton St. Gallen fordern, dass die Skigebiete schweizweit geschlossen werden. Was halten Sie davon?

Hans Wicki: Die Kantone haben die Datengrundlagen, um zu entscheiden, ob Skigebiete oder Restaurants geschlossen werden müssen. Entscheidend ist die Situation in den Spitälern. Es braucht nun aber sicher keine schweizweite Lösung, die der Bundesrat fällt.

Wenn es keine schweizweite Lösung gibt, gehen die St. Galler einfach in Graubünden Skifahren. Das macht doch keinen Sinn.

Die Lage ist schwierig. Doch gewisse Kantonen haben früher bereits einen Mini-Lockdown beschlossen. Etwa das Wallis und das auch explizit mit dem Ziel, die Wintersaison zu retten. Deshalb fände ich es schwierig, wenn jetzt der Bundesrat wieder alles entscheidet. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Fallzahlen hoch bleiben und lernen, damit zu leben.

Die Fallzahlen steigen. Und die Spitäler sind am Anschlag.

Wenn die Situation in den Spitälern wirklich so dramatisch ist, wird jede Kantonsregierung ihre Verantwortung wahrnehmen und Massnahmen beschliessen, um die Fallzahlen zu senken. Wenn die Spitäler voll sind, dann stellt keine Regierung volkswirtschaftliche Überlegungen an. Zudem: Wenn wir das Skifahren wegen der Unfallgefahr untersagen, müssten wir dann nicht auch das Autofahren verbieten?

Verschiedene Kantone verlangen vom Bundesrat rasche Verschärfungen.

Die Kantone sind die richtige Instanz, um diese Entscheide zu fällen. Aber sie müssen ihre Verantwortung auch wahrnehmen. Es geht nicht, dass die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli vom Bundesrat die Schliessung der Restaurants verlangt. Diesen Entscheid kann der Kanton Zürich selbst fällen.

Wie hart würde eine Schliessung der Gastro-Betriebe die Skigebiete treffen?

Wenn die Restaurants geschlossen sind, dann wird es betriebswirtschaftlich schwierig für die Skigebiete. Denn es kämen sicher weniger Skifahrer. Restaurants haben eine wichtige Schutzfunktion vor Schnee oder Kälte und auch eine sanitärische Funktion. Es gibt keine Toi-Toi-WCs in den Skigebieten. Wir müssen uns auch überlegen, was das Personal in den Tourismusorten macht, wenn wir die Restaurants schliessen. Es wird sich zu privaten Partys treffen. Wollen wir das?