Kritik

Pikante Verbindung mit Armee: Ist die Fachhochschule Nordwestschweiz zu nahe an China?

Die FHNW verfügt über enge Beziehungen zu China.

Die FHNW verfügt über enge Beziehungen zu China.

Schweizer Hochschulen bandeln mit chinesischen Institutionen an. Besonders pikant ist eine Verbindung mit der Armee.

Es sind Partnerschaften mit Stolperfallen: Schon wieder steht die China-Beziehung einer Schweizer Hochschule im Fokus. Der Think-Thank Australian Strategic Policy Institute warnt in einem Bericht davor, dass zivile chinesische Universitäten vermehrt mit Armee-Institutionen zusammenarbeiteten und deren Erkenntnisse auch für militärische Projekte verwendet würden. Aufgeführt wird vom australischen Institut in diesem Zusammenhang auch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), wie «Le Temps» publik machte. Diese betreibt in Olten ein «China Centre». Dort waren 2013 chinesische Forscher zu Besuch, die zwar an einem medizinischen Projekt gearbeitet haben. Dessen Technologie aber in engem Zusammenhang mit der Raketenforschung stehe, wie das australische Institut festhält.

Die FHNW bestätigt, dass man 2013 Kontakt hatte «mit einem Institut für chinesische Raumfahrtagentur», das eine eigene Blutpumpenforschung betrieben habe. Laut Wissensstand der FHNW könne diese Technologie jedoch «nicht für die nicht-zivile Verwendung eingesetzt werden», erklärt FHNW-­Sprecher Dominik Lehmann. «Ziel des Gesprächs war ein gegenseitiges Kennenlernen, um herauszufinden, ob eine gemeinsame Entwicklung einer humanen Blutpumpe möglich ist.» Zu einer Unterstützung sei es jedoch nicht gekommen, «da die Hochschule für Life Sciences FHNW einen direkten Know-how-Transfer ablehnte».

Echte Auseinandersetzung mit China als Pflicht

Die FHNW verfügt seit Jahren über enge Beziehungen zu China. Nicht nur werden für Schweizer Firmen die Türen in China geöffnet. Jährlich besuchen rund 120 chinesische Führungspersonen aus Wirtschaft und Verwaltung Weiterbildungskurse in ­Olten. Es gebe dabei durchaus Vorsichtsmassnahmen, sagt FHNW-Sprecher Lehmann: «Die Führungspersönlichkeiten der Hochschulen wurden durch die entsprechenden Bundesstellen zu möglichen Bedrohungen aus dem Ausland sensibilisiert und handeln entsprechend.» Schweizer Firmen würden so oder so nur mit deren Einverständnis besichtigt.

China bezahle keine spezifischen Gelder; die Angebote würden kostendeckend – wie für Schweizer Firmen – angeboten, sagt Sprecher Lehmann. «Nebst den normalen Kursgebühren werden keine weiteren finanziellen Beiträge an die FHNW geleistet.» Inhaltlich habe es von China nie Druck gegeben; «weder bezüglich der Inhaltsprogramme noch anderweitig», so Lehmann.

«Wir müssen uns bewusst sein, dass China seine Interessen vertritt. Und wir als Schweiz müssen dies auch tun», sagt Ruedi Nützi. Der Direktor der Hochschule für Wirtschaft an der FHNW in Olten kommt beim Gespräch gerade aus einer Lehrveranstaltung mit chinesischen Rektoren, die drei Wochen lang das Schweizer Bildungssystem angeschaut haben. Und nur wenige Stunden nach dem Telefonat dieser Zeitung wird er sich auf den Weg nach China machen. «In 25 Jahren Kontakt mit China bin ich nie angegangen worden, etwas anderes zu schreiben oder zu sagen als das, was ich wollte», sagt der FHNW-Professor. «Das würde ich mir auch nie gefallen lassen.» Nützi ist ein Verfechter des Austausches mit China. Diesen sieht er denn auch weniger als Gefahr für die Fachhochschule, sondern als Pflicht. «Eine echte Auseinandersetzung gehört zu einer wissenschaftlichen Institution.»

Er habe jeweils in China alle Fragen stellen können. Und auch in der Schweiz werde mit den chinesischen Besuchern über alles gesprochen. Der langjährige China-Kenner begrüsst es, dass derzeit das Parlament in Bundesbern über die Haltung zu China diskutiert. «Wir befinden uns in einem Systemwettbewerb. Es geht darum, darin zu bestehen», so Nützi. «Wir brauchen eine klare China-Strategie unter Einbezug aller Aspekte. Weder die wirtschaftlichen Beziehungen noch die kulturellen und politischen Aspekte dürfen ausgeblendet werden.» Er verstehe zwar, dass man Bedenken habe, sagt Nützi. Nicht Abschottung, sondern Auseinandersetzung sei jedoch die einzige mögliche Lösung. «Wir müssen eine klare eigene Position begründen.»

Kritik gibt es auch in Basel und Zürich

In der Kritik stehen auch die von China mitfinanzierten Konfuzius-Institute. In der Schweiz gibt es eines in Genf und eines in Basel, das sowohl von der Universität als auch von China getragen wird. Dort werden vor allem Sprachkurse angeboten. Die aktuelle chinesische Politik solle auf Anraten des chinesischen Botschafters nicht diskutiert werden, sagte die Institutsleiterin 2019 gegenüber der «Basler Zeitung».

Jüngst wurde nach einem Bericht des «Tages-Anzeigers» zudem bekannt, dass die chinesische Botschaft an der Zürcher Hochschule der Künste intervenierte, als antichinesische Graffiti im Flur der Schule hingen.

Meistgesehen

Artboard 1