Versprochen hatte der Gewerbeverband einen Plan B für den Fall, dass die Initiative zur Abschaffung der Radio- und Fernseh-Gebühren (No Billag) durchkommt. Der Andrang der Journalisten war gross. Manche waren nicht nur wegen ihres Jobs gekommen, sondern auch aus Angst um ihn. Das sollte sich in der Fragerunde zeigen.

Präsident Jean-François Rime und Direktor Hans-Ulrich Bigler lieferten schliesslich keinen kohärenten Plan B, dafür aber einen Baukasten an Ideen. Heute nimmt die SRG dank der für jeden Besitzer eines Empfangsgerätes obligatorischen Gebühren rund 1,2 Milliarden ein. Ab 2019 sinkt der Beitrag, wird aber auch fällig, wenn man keine Empfangsgeräte hat.

Die zentrale These des Gewerbeverbandes ist, dass auch ohne solche obligatorischen Gebühren rund eine Milliarde Franken für Radio und Fernsehen zusammenkommen. Um diese These zu untermauern, setzte Bigler zu einer ungewohnten Lobeshymne auf die sonst oft als «Staatssender» verunglimpfte SRG an. Dank vorhandener Infrastruktur, hohem Marktanteil und hervorragendem Personal hätten die SRF-Sender einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Privaten und könnten darum in einem freien Markt bestehen.

Für einzelne Sendungen soll es Abonnemente geben. Als Beispiele wurden Fussball, Ski und Schwingen genannt. Wer das gerne sehe, soll auch dafür bezahlen. Über solche Zusatzpakete könnten gemäss Bigler jährlich 200 bis 600 Millionen Franken eingenommen werden. Die SRG der Zukunft solle zudem uneingeschränkt werben dürfen – auch online. Die Werbeeinnahmen könnten sich dadurch auf bis zu 420 Millionen Franken belaufen. Diese Bemerkung versetzte in der Fragerunde Vertreter der Privatradios in Rage. Denn die zusätzliche Werbung auf SRF-Sendern dürfte bei ihnen abfliessen. «Das ist der Wettbewerb», antwortete Hans-Ulrich Bigler.

«Da wird schöngeredet»

Einwände, gewisse Sendungen fänden nicht genügend Abonnenten, wehrten die Gewerbler mit einer strengen Interpretation des Initiativtextes ab. Dort heisst es, der Bund dürfe keine Radio- und Fernsehstationen subventionieren. Die Bezuschussung einzelner Sendungen sei aber erlaubt, so Bigler. Parlament und Volk sollten entscheiden, welche Sendungen als Service public gelten. Solche Fördergelder könnten der SRG bis zu 410 Millionen Franken in die Kasse spülen.

Noch in der Pressekonferenz sprach Initiativgegner Mark Balsiger von einem «Blindflug» statt einem Plan. Auch sonst eher SRG-kritische Stimmen liessen am «Plan B» nichts Gutes. «Der Gewerbeverband rechnet die Initiative schön», sagt Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verlegerverbandes. Der skizzierte Werbeumsatz sei viel zu hoch angesetzt.

Zudem würden Pay-TV- und Werbeeinnahmen zusammengerechnet. «Das ist nicht realistisch, weil in bezahltem Fernsehen weniger Werbung akzeptiert wird und diese eine geringere Reichweite hat», so Häuptli. Für ihn ist klar, dass die SRG nach dem Szenario des Gewerbeverbandes massive mehr Werbung bräuchte. Und er gibt zu bedenken: «Service public darf nicht kommerziell sein. Das Publikum wird mit Werbung überladene Sendungen nicht akzeptieren.»

Ähnlich sieht es der Verband der Schweizer Regionalfernsehen Telesuisse. Werbegelder flössen bei einem Ja zu «No Billag» in andere Kanäle, weil das Programm reduziert würde, sagt deren Präsident André Moesch.