Bern

Polizei löst Kundgebung gegen Bundesrat auf – doch bereits wird für Friedenstauben geworben

"Grundrechte sind unantastbar": Ein Teilnehmer der Kundgebung vor dem Bundeshaus.

"Grundrechte sind unantastbar": Ein Teilnehmer der Kundgebung vor dem Bundeshaus.

Trotz Notrecht erwacht das politische Leben wieder in der Schweiz. In Bern demonstrierten am Samstagnachmittag 300 Personen gegen den Bundesrat. Die Polizei löste die Versammlung auf. Die Teilnehmer mobilisieren aber bereits für den 7. Juni.

Einen Moment lang schien in Bern an diesem Samstag-Nachmittag die Normalität Einzug zu halten. Um das Bundeshaus herum gab es, weit verteilt, einige Marktstände. Und gegen 14 Uhr formierte sich auf dem Bundesplatz eine bunt gemischte Kundgebung.

«Grundrechte sofort zurück», «Notstand beenden», «Freiheit», «Notwendig: Menschenwürde im Krisenmanagement», «Ich will unsere Demokratie zurück», «Die Versammlungsfreiheit ist gewährleistet» (Artikel 22): Das waren Slogans, welche die gut 300 Kundgebungsteilnehmer auf kleine Plakate geschrieben hatten, die sie herumwandernd in die Höhe streckten.

Berner Polizei löst unbewilligte Anti-Lockdown-Demo auf dem Bundeshausplatz auf

Berner Polizei löst unbewilligte Anti-Lockdown-Demo auf dem Bundeshausplatz auf

Ein Teilnehmer zeigte auf einer Schautafel Mutter Helvetia mit einer Taube in der Hand, verknüpft mit der Aussage: «Grundrechte sind unantastbar, insbesondere in Krisen». Aufgelistet hatte der Teilnehmer Begriffe wie Menschenwürde, Bundesverfassung, Grundrechte, Demokratie Versammlungsfreiheit, Bewegungsfreiheit und Sozialkontakt.

«Leute, die selber und kritisch denken»

«An dieser Kundgebung haben Leute aus einem breiten Spektrum der Bevölkerung teilgenommen, die selber und kritisch denken, sich auf alternativen Kanälen informieren und den Mainstream-Medien nicht alles glauben», sagt Fabian Kaspar, der sich selber als besorgter Bürger bezeichnet.

Mit dem Lockdown schaffe die Regierung «einen Schaden, der über Generationen hinweg zu spüren sein wird», sagt Kaspar. «Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, ein höheres Preisniveau, steigende Abgaben und vieles mehr werden die Folge sein.»

Strömendem Regen zum Trotz: Gegen 300 Kundgebungs-Teilnehmer demonstrierten gegen den Bundesrat.

Strömendem Regen zum Trotz: Gegen 300 Kundgebungs-Teilnehmer demonstrierten gegen den Bundesrat.

Es war eine Demonstration gegen den Bundesrat, der seit 16. März in der ausserordentlichen Lage mit Notrecht regiert. Mit seinen weitgehenden Massnahmen beschränkt er sieben Grundrechte und er hat gleichzeitig die politischen Rechte stillgelegt. Die Teilnehmer der Kundgebung hatten sich über Social Media organisiert. Sie waren schon am Samstag vor einer Woche in Kleingruppen auf dem Bundesplatz präsent gewesen.

Mehrere Dutzend Personen werden kontrolliert

«Wir haben kurz vor 14 Uhr festgestellt, dass sich zahlreiche Personen auf dem Bundesplatz zu einer Kundgebung versammeln», sagt Domink Jäggi, Mediensprecher der Berner Kantonspolizei. «Gemäss Covid-Verordnung sind aber solche Versammlungen verboten. Wir haben die Teilnehmer darauf aufmerksam gemacht und mehrfach aufgefordert, den Bundesplatz zu verlassen.»

Da ein Grossteil der Anwesenden dieser Aufforderung nicht Folge leistete, habe die Kantonspolizei den Bundesplatz räumen müssen. «Wir führten dabei Personenkontrollen durch», sagt Jäggi. «Wer sich der polizeilichen Aufforderung, den Bundesplatz zu verlassen, widersetzt hat, muss mit einer Anzeige rechnen.» Gegen 16 Uhr gab die Berner Kantonspolizei den Bundesplatz wieder frei. Davor hatte sie mehrere Dutzend Personen kontrolliert.

Schon bald folgt der FreedomWalk mit Friedenstauben

Schon jetzt ist aber klar, dass die Demonstranten bald wieder auf dem Bundesplatz stehen werden. Das zeigt der Aufruf, den ein Versammlungsteilnehmer mit den Hashtags #Friedenstaube und #FreedomWalk für den 7. Juni auf sich trug.

«Der #FreedomWalk ist Dein ganz eigener, friedlicher Spaziergang zum Bundesplatz in Bern, um dort deine #Freiheitstaube abzulegen», steht im entsprechenden Aufruf auf Facebook. In der Anleitung wird betont, man solle schon bei Anreise und Spaziergang zum Bundesplatz Hyienevorschriften und Sicherheitsabstände einhalten.

Geplant ist der FreedomWalk am 7. Juni, einen Tag, bevor der Bundesrat am 8. Juni weitere Lockerungsschritte bekannt geben wird. Die Organisatioren betonen, man solle sich dann auf dem Bundesplatz mit dem Sicherheitsabstand einreihen, seine Freiheitstaube ablegen und umgehend weiter spazieren.

«Keine Demo, keine Reden, keine Stände, keine Parteien»

«Bitte verweile nicht auf dem Bundesplatz», steht im Aufruf zum FreedomWalk. «Es ist keine Demo, keine Kundgebung, es wird keine Reden geben, keine Stände, keine Banner, keine Parteien, keine Organisationen, kein Marketing.»

Die Friedenstaube provoziere auch nicht, heisst es weiter. «Sie möchte keine Konflikte, keine Unruhe, keine Auseinandersetzungen, keinen Stress.» Und besonders willkommen seien Familien mit Kindern.

Autor

Othmar von Matt

Meistgesehen

Artboard 1