Handynutzer mit einem Abo von Telecom Liechtenstein zahlen seit diesem Sommer keine Roaming-Gebühren mehr, wenn sie in der EU unterwegs sind. Als EWR- Mitglied hat der Kleinstaat dieses Relikt aus der Anfangszeit der Mobilfunk-Ära abgeschafft. Genauso wie alle EU-Staaten.

Das Nachsehen haben die Schweizer Konsumenten. Unsere Mobilfunkanbieter, allen voran die staatlich kontrollierte Swisscom, betonen, Roaming sei für die Konsumenten dank Flatrate- und Bündelangeboten längst kein Thema mehr. Auf die jährlich mehreren hundert Millionen Franken Einnahmen wollen sie dann aber doch nicht verzichten. Eine ziemlich widersprüchliche Argumentation.

Natürlich: Bundesbern sollte nicht jeden von Brüssel beschlossenen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit blindlings kopieren. Ein Verbot der Roaming-Gebühren – ob in einem Vertrag mit Brüssel geregelt oder einseitig verordnet – sollte aber zumindest diskutiert werden. Definitiv abgeschafft gehören Praktiken wie das Aufrunden von Telefongesprächen auf die nächste volle Minute. Das grenzt an Konsumententäuschung. Einem Detailhändler würde es auch nicht einfallen, 600 Gramm Gemüse auf ein Kilo aufzurunden.

Den unvermeidbaren Wegfall der Roaming-Einnahmen sollten die Telekomfirmen stattdessen mit innovativen Angeboten kompensieren. Denn dafür sind die Konsumenten im Smartphone-Zeitalter auch bereit, einen ordentlichen Preis zu bezahlen.

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