Sie haben über viele Jahre zusammen Tele Züri aufgebaut. Und dabei keinen Franken Subventionen erhalten, wie beide betonen. Viel mehr Eintracht gab es im «Talk Täglich» vom Montagabend allerdings nicht zwischen Moderator Markus Gilli und Gast Roger Schawinski.

Mit seinen gewohnt provokativen Fragen lockte der Tele Züri-Chef seinen ehemaligen Meister Schawinski aus der Reserve in Sachen No Billag und der Frage, warum ausgerechnet er als ehemals grösster SRG-Kritiker ein fulminantes Buch gegen die radikale Initiative verfasst hat. Hier eine Auswahl von Schawinskis Aussagen im Talk.

Schawinski über...

...ein Ja zu No Billag: «Am 4. März spielen wir russisches Roulette. Bei einem Ja springt man ins Leere. Dabei weiss man nicht, wo man landet; das ist unverantwortlich.»

....das drohende Aus der SRG: Niemand glaube doch ernsthaft an ein Lichterlöschen, meinte Gilli. Die Leute hätten die Nase voll von Untergangsszenarien. Schawinski dagegen mahnte: «Bei einem Ja werden viele Leute ab dem ersten Tag keine Billag mehr zahlen. SRG-Lieferanten werden nur noch gegen Vorauszahlungen liefern, etc. Nach meinen Berechnungen ist die SRG nach drei bis vier Monaten nicht mehr liquid.»

...Andreas Thiels Vorwurf, Schawinski bediene Nazi-Rhetorik: «Das ist eine schlimme Unterstellung in der 'SonntagsZeitung'. Das wird noch Folgen haben», sagte Schawinski. Der Satiriker Andreas Thiel hatte in einem Artikel Schawinskis Buch «No Billag?» zerrissen und unter anderem behauptet, Schawinskis Tiraden gegen die «No Billag»-Initianten erinnerten an die Sprache des Dritten Reichs. «Wäre Schawinski nicht so belesen, müsste man annehmen, ihm sei nicht bewusst, dass er hier eine Anleihe bei der Nazipropaganda macht.»

Schawinski wollte nicht weiter auf Thiel eingehen: «Thiel versteht noch weniger von Medien als vom Islam.» (Anmerkung der Red.: Thiel und Schawinski griffen sich in der Sendung «Schawinski» zum Thema Islam gegenseitig persönlich an.)

...Zwangsgebühren für alle: «Du, Markus Gilli, hast keine Kinder, und finanzierst trotzdem mit deinen Steuern die Schulen mit. Das ist eine zivilisatorische Errungenschaft, das ist das Prinzip eines sozialen Staates.» Gilli kontert: «Dann ist die SRG also doch ein Staatssender...»

...den ehemaligen SRG-Chef Roger De Weck: «Es war De Wecks Fehleinschätzung, dass er glaubte, er müsse nur das Parlament, vor allem den Ständerat im Griff haben, dann komme die SRG durch. De Weck hat nicht bedacht, dass am Schluss jemand anderes entscheidet, nämlich das Volk.»

...Sparvorschläge für die SRG: «Es muss Blut fliessen. Ich habe es absichtlich so stark formuliert. Die SRG muss substanziell abbauen, sie kann nicht so weiterfahren. Die SVP wird bei einem Nein zu «No Billag" gleichentags ihre «200 Franken sind genug»-Initiative lancieren. Dann braucht es einen Gegenvorschlag. «300 Franken Billag wäre angemessen. Das ist mein Gegenvorschlag.»

...die Motivation für sein «No Billag?»-Buch: «Ich fühlte mich verpflichtet, ein Buch zu schreiben in einer Situation, in der was Schlimmes passieren kann. Ich würde mir immer einen Vorwurf machen, wenn die SRG zerstört würde und ich nichts dagegen getan hätte.» (roc)

Roger Schawinski über sein "No Billag"-Buch – sehen Sie hier den ganzen "TalkTäglich"