Asylgesuche
Schönes Wetter am Mittelmeer führt zu hohen Asylzahlen in der Schweiz

Der Bund registrierte im ersten Halbjahr 16 Prozent mehr Asylgesuche als im selben Zeitraum 2014. Augenfällig ist der Anstieg bei eritreischen Flüchtlingen. Im europäischen Vergleich sind die Zahlen laut den Behörden aber «moderat».

Lorenz Honegger
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16 Prozent mehr Menschen stellten im ersten Halbjahr 2015 gegenüber der Vorjahresperiode in der Schweiz ein Asylgesuch. (Archiv)

16 Prozent mehr Menschen stellten im ersten Halbjahr 2015 gegenüber der Vorjahresperiode in der Schweiz ein Asylgesuch. (Archiv)

Keystone

Das gute Wetter freut die Schlepperbanden: Weil die Temperaturen im Mittelmeerraum dieses Jahr früher anstiegen als 2014, riskierten besonders viele Menschen die gefährliche Überfahrt nach Europa.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sprach Ende Juni von einer «maritimen Flüchtlingskrise von historischem Ausmass». Auch in der Schweiz führten die «besseren klimatischen Bedingungen» in Südeuropa laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM) zu einem Anstieg der Asylgesuche: von 10 278 im ersten Halbjahr 2014 auf 11 873 im ersten Halbjahr 2015. Dies entspricht einer Zunahme von knapp 16 Prozent.

Anstieg der Gesuche «moderat»

Mehr als die Hälfte der Antragssteller (55,5 Prozent) stammten im zweiten Quartal 2015 laut der gestern veröffentlichten Asylstatistik aus Eritrea, Somalia und Sri Lanka. Ins Auge sticht dabei die Entwicklung bei den eritreischen Flüchtlingen: Von April bis Juni stellten 3238 ein Asylgesuch, was einer happigen Zunahme von 2676 Anträgen gegenüber dem Vorquartal entspricht.

Hintergrund für diese Entwicklung sei «der grosse Anteil der Eritreer an den in Süditalien anlandenden Personen», schreibt das SEM. Dieselbe Erklärung treffe auch für die Zunahme der Gesuche von somalischen, äthiopischen und sudanesischen Flüchtlingen zu.

Im europäischen Vergleich sei die Entwicklung der Asylzahlen in der Schweiz immer noch «moderat», betont das SEM: Die EU-/Efta-Staaten hätten in den ersten fünf Monaten dieses Jahres eine Zunahme von 199 000 auf 335 000 Asylanträge verzeichnet. Der Anteil der Schweiz an allen Asylgesuchen in Europa hingegen habe sich seit 2012 mehr als halbiert.

Auch von den Flüchtlingsströmen aus Syrien und Afghanistan sei die Schweiz bis jetzt nur in geringem Ausmass betroffen. Migranten aus diesen Ländern gelangen seit Anfang Jahr vermehrt über die Türkei, Griechenland und den Balkan nach Europa, lassen sich aber primär in Ländern wie Deutschland, Ungarn und Österreich nieder. «Weiterwanderungen in die Schweiz» gibt es bis jetzt nur selten.

Immer noch schwierig gestaltet sich derweil die Umsetzung des Dublin-Abkommens. Das Vertragswerk besagt, dass Asylsuchende ihr Verfahren immer in dem Land durchlaufen müssen, in das sie eingereist sind. Die Schweiz konnte im zweiten Quartal 2015 lediglich 604 Personen im Rahmen des Abkommens an einen anderen Dublin-Staat überstellen. Gegenüber dem ersten Quartal entspricht dies einer Abnahme von 17,6 Prozent.

Dafür stieg der Anteil der Asylgewährungen: Im zweiten Quartal 2015 beantwortete die Schweiz 31,6 Prozent aller gestellten Gesuche positiv. Im Vorquartal waren es noch 25 Prozent. Die Schutzquote (Asylgewährungen und vorläufige Aufnahmen in erster Instanz) stieg von 59 auf 64,7 Prozent. Das Staatssekretariat begründet den «vergleichsweise hohen Wert» mit dem «verstärkten Abbau älterer Gesuche von Personen aus Ländern mit hohen Schutzquoten und der relativen Zunahme von Asylgesuchen von Personen aus diesen Staaten».

29 000 Gesuche bis Ende Jahr

Das UNHCR rechnet in den Sommermonaten mit einer weiteren Zunahme der Mittelmeerüberfahrten. Auch das SEM geht davon aus, dass die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz hoch bleibt, aber nicht noch einmal deutlich zulegt: Die Behörde belässt die offizielle Prognose bis Ende Jahr bei 29 000 Anträgen mit einer Bandbreite von plus minus 2500.