Maja Sommerhalder

«Wir können keinen Antrag von der Traktandenliste streichen», sagt der Birrer Gemeinderat Alfred Hatt. An der Gmeind vom kommenden Freitag müssen die Stimmberechtigten über einen Planungskredit von 200 000 Franken für eine Schulraumerweiterung entscheiden, die für die Schulreform Bildungskleeblatt geplant worden war. Wenn die Aargauer die Schulreform am 17. Mai angenommen hätten, wäre Birr Oberstufenstandort im Eigenamt geworden.

Dafür hätte die Schule aber zu wenig Räume gehabt. «Wir rechneten nicht damit, dass die gesamte Schulreform abgelehnt würde. Deshalb wollten wir bereit sein», so Gemeinderat Alfred Hatt. Obwohl Birr vorerst nicht alleiniger Oberstufenstandort im Eigenamt wird, wird der Planungskredit von 200 000 Franken der Gemeindeversammlung unterbreitet: «Wir werden über die Situation reden. Letztlich wird das Volk entscheiden», so Hatt.

«Wir hängen in der Luft»

Auch wenn die Gemeinde jetzt weniger Zeitdruck habe, sei das Thema Schulraumplanung nicht vom Tisch: «Wir werden in Zukunft mehr Schulkinder haben.» Der Raumbedarf muss allerdings neu abgeklärt werden. Auch nach dem Nein zum Bildungskleeblatt werde eine Schulreform kommen. «Momentan wissen wir nicht, was der Kanton vorhat. Wir hängen in der Luft», so Hatt.

Lehrer können aufatmen

Dafür ist sich die Gemeinde sicher, dass die Schule Birr eine Schulsozialarbeit braucht. «Wenn nur schon fünf Kinder in einer Klasse Probleme haben, ist es schwierig, den Unterricht in Ruhe abzuhalten», sagt Schulleiterin Corinne Prowe. Denn oft seien Lehrer gefordert, wenn es um Mobbing, häusliche Gewalt oder Verwahrlosung geht.

Deshalb hofft sie, dass die Gemeindeversammlung vom kommenden Freitag eine 100- Prozent-Stelle für eine Schulsozialarbeit bewilligt: «Wir wollen, dass sich die Lehrer wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.» Herrschen dann in Birr so prekäre Verhältnisse? «Nein. Aber in einer Schule mit 530 Kindern gibt es nun mal Probleme.» Ein Schulsozialarbeiter könne eingreifen, bevor eine Situation eskaliere. «Zudem haben die Kinder eine neutrale Bezugsperson, die sie nicht benoten muss.»

Andere Gemeinden hätten sehr gute Erfahrungen mit der Schulsozialarbeit gemacht. Rund 126 000 Franken kostet die Schulsozialarbeit pro Jahr. «Wir würden die 100-Prozent-Stelle am liebsten auf eine Frau und einen Mann aufteilen», so Prowe. Falls die Birrer am Freitag grünes Licht geben, will die Schule so schnell wie möglich die Stelle ausschreiben. Wird dann Birr schon nach den Sommerferien eine Schulsozialarbeit haben? «Dafür ist die Zeit etwas knapp. Wahrscheinlich brauchen wir etwas länger, um geeignete Leute zu finden.»

Fusion mit Birrhard?

Weiter wollen Birrhard und Birr abklären, ob sie noch enger zusammenarbeiten oder sogar fusionieren wollen. Dazu müssen die Birrer über ein Verhandlungsmandat und einen Projektierungskredit von 116 000 Franken befinden. Noch mehr Geld muss auch für die Dorfumfahrung NK 395 ausgegeben werden: Der Zusatzkredit für die Wasserversorgung kostet 120 000 Franken, die Umlegung der Kanalisation 390 000 Franken und die Beleuchtung 235 000 Franken.