Schweizer Fernsehen
Wegen Konzern-Initiative: Beschwerden gegen Satireshow «Deville»

Bei der SRG-Ombudsstelle sind drei Beanstandungen eingegangen: «Deville» habe Werbung für die Konzern-Initiative gemacht.

Francesco Benini
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Umstrittene Show: der Komiker Dominic Deville.

Umstrittene Show: der Komiker Dominic Deville.

SRF / Aargauer Zeitung

Drei Beanstandungen gegen das Satireprogramm «Deville» des Schweizer Fernsehens (SRF) sind am Montag bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz eingegangen. Das bestätigt Esther Girsberger, die Co-Leiterin der Ombudsstelle, auf Anfrage. Die Eingaben monieren eine ungerechtfertigte Beeinflussung der Volksabstimmung vom kommenden 29. November.

Der Komiker Dominic Deville hatte sich am Sonntagabend in seiner halbstündigen Show fast ausschliesslich mit der Konzernverantwortungs-Initiative beschäftigt. Deville griff Schweizer Konzerne wegen Umweltverschmutzung im Ausland an; als Beispiel nannte er den Betrieb von Kohleminen. Auch über Kinderarbeit sprach Deville: Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse sei gegen Kinderarbeit im Ausland und bilde darum nun Kinder in Camps aus. Denn nur Schweizer Kinder garantierten Schweizer Qualität.

CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter erklärt, es entspreche nicht den Regeln, dass das Schweizer Fernsehen den Befürwortern einer Vorlage so kurz vor dem Abstimmungstermin eine Plattform biete. Nationalrat Gregor Rutz (SVP) pflichtet ihr bei: «Diese Sendung wurde missbraucht für Abstimmungspropaganda, eine Woche vor der Abstimmung. Das geht nicht. Das Programm war ausserdem unterirdisch schlecht, unintelligent, humorlos, derb. Mit Satire hat das meiner Meinung nach nichts zu tun.»

SRF-Mediensprecherin Eva Wismer entgegnet, dass das Programm «Deville» als Satireformat die Themen des aktuellen Geschehens behandle. Dazu zähle auch die Konzernverantwortungs-Initiative. Es liege in der Natur der Sache, dass in der Satire Themen pointiert besprochen würden. «Wichtig ist, dass Satire als solche erkennbar ist. Das ist bei ‹Deville› gegeben.»

Wismer betont überdies, dass sich das Schweizer Fernsehen an die publizistischen Leitlinien halte. Diese besagen: In der Woche vor Abstimmungen müssen die Beiträge des Fernsehens «zwingend ausgewogen sein.» Das war «Deville» nicht, aber es ist kein Informations-, sondern ein Satireprogramm. Man kann argumentieren, es gelte hier die Freiheit der Kunst. Die Ombudsstelle hat gemäss Gesetz 40 Tage Zeit, um die Beanstandungen zu behandeln. «Wenn am ersten Tag nach der Ausstrahlung eines Programms drei Beanstandungen eingehen, werden erfahrungsgemäss weitere folgen», sagt die Publizistin Esther Girsberger. «Deville» wurde am Sonntagabend von 201'000 Zuschauern gesehen.