Heks muss den Gürtel enger schnallen. Vor kurzem publizierte das Hilfswerk der evangelischen Landeskirchen schlechte Geschäftszahlen. Vor allem rückläufige Spendeneinnahmen haben dazu geführt, dass die Organisation dieses Jahr die Entwicklungszusammenarbeit in Moldawien, Simbabwe und Indien beenden muss. Das trifft in erster Linie die Menschen dort. Ihnen hätten die Programme geholfen. Doch Heks muss auch 25 Mitarbeitenden kündigen, wie ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung sagt. 19 davon im Ausland, 6 in der Schweiz.

Zwar konnten sich die Hilfswerke letztes Jahr über einen Spendenrekord freuen. Insgesamt 1,85 Milliarden Franken spendeten Schweizerinnen und Schweizer 2017 an Organisationen wie Heks, Caritas oder Helvetas. Noch nie griffen Herr und Frau Schweizer tiefer ins Portemonnaie für die Hilfswerke. Nur: Von der wachsenden Spendierfreudigkeit profitieren nicht alle Werke in der Schweiz gleichermassen. Und im Kampf um Spendengelder erwächst neue Konkurrenz. «Immer häufiger wollen sehr potente Organisationen aus dem Ausland auch ein Stück von diesem Spendenkuchen», schreibt Heks. Sorgen wegen einer zunehmenden ausländischen Konkurrenz macht sich auch das Schweizerische Rote Kreuz; Hilfswerke wie Caritas oder Fastenopfer zielen in dieselbe Richtung.

Wie es um einzelne Hilfswerke steht:

Schwierigkeiten am Markt

Dass die Schweiz ein attraktiver Spendenmarkt ist, zeigen Vergleiche unter den Ländern. So spenden laut der Schweizerischen Zertifizierungsstelle für Hilfswerke 80 Prozent der Schweizer Haushalte Geld. Das Land belege damit einen Top-Platz. In Frankreich, Österreich und Schweden spenden um die 60 Prozent der Haushalte, in Spanien oder Italien sind es gerade einmal 20 Prozent.

Die zunehmende Konkurrenz betrifft jedoch nicht nur das Anzapfen von Spendengeldern. Schweizer Hilfsorganisationen beklagen auch ungleich lange Spiesse, wenn es um staatliche Aufträge geht. So berücksichtige der Bund bei Vergaben im Bereich der Entwicklungshilfe auch ausländische Hilfsorganisationen, während Schweizer Werke am Zugang zu EU-Ausschreibungen gehemmt oder ganz gehindert würden.

Als würden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht reichen, türmen sich nun noch dunklere Wolken auf. Vor allem bürgerliche Politiker fordern, dass die Entwicklungshilfe der Schweiz stärker den Interessen des Landes dient. Gelder sollen primär dort eingesetzt werden, wo sie eine Wirkung auf die Migration nach Europa erzielen.

Die Hilfe der Schweiz im Ausland rückt zunehmend auf die politische Agenda. Das empfindet auch Hugo Fasel so. Am Telefon sagt der Freiburger Altnationalrat und Direktor von Caritas Schweiz: «Dass Sie gerade jetzt über Entwicklungszusammenarbeit schreiben, ist kein Zufall. Die war in den Medien lange Zeit ja gar kein Thema.» Fasel ist überzeugt, für die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit und damit auch für Caritas, Heks und Co. bleibe kein Stein auf dem anderen. «Wir erleben vielleicht gerade die bewegteste Zeit, seit es überhaupt Entwicklungszusammenarbeit gibt.»

Hoffen auf Rot-grün

Jedenfalls wird die Entwicklungspolitik der Schweiz derzeit neu justiert. Letzten Sommer kündigte der Bundesrat an, die Entwicklungshilfe müsse sich mehr an Schweizer Interessen orientieren. Zwar betrifft eine solche Richtungsänderung in erster Linie die staatliche Entwicklungszusammenarbeit. Doch auch die Hilfswerke warten gespannt darauf, welche Richtung der Bundesrat nun einschlagen wird. Immerhin profitieren auch sie von staatlichen Mitteln. 2017 waren es knapp 200 Millionen Franken.

Die generelle Stossrichtung der Reform ist bereits bekannt, doch für Caritas-Direktor Fasel und Mark Herkenrath von Alliance Sud, der Interessenorganisation mehrerer Schweizer Hilfswerke, ist diese zu vage. Insbesondere über die Frage, wie man Migration hemmt, tobt ein Richtungsstreit. Herkenrath sagt: «Neue Studien zeigen klar, Entwicklungszusammenarbeit kann den Migrationsdruck lindern. Doch nur wenn sie im richtigen Bereich angesetzt wird.»

Herkenrath weiss aus Studien, dass Entwicklungshilfe migrationshemmend wirkt, wenn sie zum Beispiel bei der Gesundheitsförderung oder Bildung ansetzt. Herkenrath vermutet jedoch, der Bundesrat könnte seinen Fokus auf die Wirtschaftsförderung, zum Beispiel in nordafrikanischen Staaten legen. Dies, so Herkenrath, wirke sich weniger migrationshemmend aus.

Wie also weiter in der Entwicklungshilfe? Welche Prioritäten setzen? Politisch stochern die Schweizer Entwicklungshelfer im Dunkeln. Und weil Wahljahr ist, droht weiteres Ungemach. Ein neuer Vorschlag hätte massive Auswirkungen auf die internationale Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz.

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Doch auch die Hilfswerke hoffen auf die Wahlen im Oktober. Schafft es das Thema der Stunde, der Klimawandel, über den Sommer in den Wahlherbst, wäre ein Erstarken des links-grünen Lagers durchaus denkbar. Links-grün ist nicht nur klimafreundlicher eingestellt, sondern auch weniger skeptisch gegenüber der Entwicklungshilfe.