Wegen Euroschwäche
Schweizer Skifahrer gehen fremd auf deutschen Pisten

Ohne Euro-Mindestkurs gehen die Schweizer sogar nach Deutschland, um Ski zu fahren. Was wollen sie an den Anfängerhängen?

Martina Odermatt
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Der Schnee knirscht unter den Füssen, die Sonne wärmt das Gesicht. Im 3-Sekunden-Takt bringt der Sessellift neue Ski- und Snowboardfahrer auf den Hügel. Ab und an verlässt ein Skifahrer mit Hexenhut oder langer Kutte den Sessellift. Es ist Fasnacht. Wer heute als Hexe verkleidet die Skipiste unsicher macht, kriegt den Tagespass geschenkt. Das Geschäft läuft gut. Vor allem Familien mit kleinen Kindern suchen das Skivergnügen.

Diese Szenen könnten sich so oder so ähnlich auf dem Flumserberg oder in Arosa abspielen. Aber Ski fahren ist teuer. Deshalb weichen viele Familien ins Ausland aus. Dass das nahe gelegene Österreich eine Wintersport-Destination ist, das ist bekannt. Bislang dachten wir, es sei unser einziger, ernst zu nehmender Konkurrent. Doch jetzt weichen die Schweizer auf andere Skigebiete aus. Die Deutsche Zentrale für Tourismus verkündete kürzlich, dass in der Feldbergregion im Schwarzwald die Logiernächte gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 30 Prozent zugenommen haben. Doch sind wirklich so viele Schweizer dort?

Am günstigen Hang

Der Schwarzwald ist nicht gerade bekannt als Wintersport-Destination. Schaut man sich die Pisten an, ist dies auch nicht verwunderlich. Wer steile Hänge runtersausen möchte, muss sich definitiv ein anderes Gebiet aussuchen. Doch gerade für Familien mit kleinen Kindern scheint der Feldberg ideal. So hört man denn auch verdächtig viel Schweizerdeutsch unter den Familien, die sich auf der Piste tummeln.

Doch warum gerade der Schwarzwald? «Es ist für uns nah an der Schweiz. Mit Kindern wollen wir nicht fünf Stunden im Auto sitzen, um Ski fahren zu können», sagen zwei Familien. Von Basel, Aarau oder Zürich ist Feldberg in anderthalb bis zwei Stunden zu erreichen. Ausserdem sei das Preis-Leistungs-Verhältnis besser als etwa in Österreich. Im Schwarzwald bekomme man mit der Hochschwarzwaldkarte ab zwei Übernachtungen die Tageskarte (31 Euro für Erwachsene) für die Skipiste gratis dazu. Im österreichischen Ischgl bezahlt man als Erwachsener für die Tageskarte 45 Euro, Kinder kosten rund 30 Euro. Skiferien mit der Familie könne man sich dort nicht so schnell leisten.

30 Prozent mehr Schweizer

Schweizer profitieren im Schwarzwald gleich doppelt. Einerseits sorgt die Aufhebung des Euro-Mindestkurses für billigere Ferien. Andererseits ist die Schwarzwaldregion auch günstiger als bekanntere Ski-Regionen. Die ohnehin preiswerten Angebote sind heuer noch preiswerter – das steigert die Besuche der Schweizer. «Die Schweizer sind eindeutig in Kauflaune. Manche kaufen ihre Ski-Ausrüstung gleich, statt sie zu mieten», sagt Conny Nottrodt, Leiterin des Snowboard-Shops Schneebrett in Feldberg.

Ein Haus weiter befindet sich der «Hasenstall». «Atemlos, durch die Nacht» dröhnt Helene Fischers Hit aus dem Inneren der Skibar nach aussen. Bei Kaffee mit Schuss johlen die Ski- und Snowboardfahrer mit. Kai vom «Hasenstall» steht an der Kasse und kassiert ein Schnipo ein. «Ich habe den Eindruck, dass dieses Jahr mehr Schweizer im Schwarzwald sind als sonst. Es gibt auch viele, die für einen Tagesausflug in den Schwarzwald kommen», schreit er durch den wummernden Raum in unsere Richtung. Die offiziellen Zahlen sprechen für Kais Eindrücke. Laut der Deutschen Zentrale für Tourismus hat die Zahl der Schweizer Gäste in der Feldbergregion gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 30 Prozent zugenommen.

Die Schweizer residieren unter anderem gerne im «Familotel Feldberger Hof». «Seit dem Fall des Euro-Mindestkurses beherbergen wir zehn Prozent mehr Schweizer», sagt Mike Böttcher, der Hoteldirektor. Sein Hotel habe schon immer sehr viele Schweizer Gäste gehabt. Das Einzige, was sich mit dem starken Franken verändert habe, sei das Zahlverhalten der Schweizer. «Am liebsten würden sie schon für die nächsten Jahre bezahlen. Es gibt bereits eine grosse Warteliste.»