Die Abhängigkeit von dem Tool sei «noch an einem sehr geringen Ort», sagt Patrizia Pulfer von Interlaken Tourismus. Die Ferienregion hat Street View auf ihrer Internetseite installiert, doch Pulvers Prognose ist klar: «Wir gehen nicht davon aus, dass wir einen Gästeverlust hinnehmen müssten, wenn wir das Tool nicht mehr hätten.»

Genau damit droht Google und will Street View in der Schweiz abstellen, wenn es bei den strengen Auflagen bleibt. Doch die Drohung verpufft auch bei Zürich Tourismus: Street View habe «keine besonders grosse Bedeutung», sagt Zürich Tourismus-Präsident Elmar Ledergerber: «Wir stellen nicht fest, dass die Gäste mit diesem Dienst eng verbunden wären. Sie zieht es auch ohne Street View nach Zürich.»

Selbst Schweiz Tourismus räumt ein, dass die Bedeutung nicht messbar ist: «Eine Eins-zu-eins-Korrelation zwischen der Nutzung von Google Street View und dem Kaufentscheid können wir aber nicht herstellen», sagt Sprecherin Daniela Bär.

Der britische Kommunikationsexperte Andrew Gowers kritisiert gegenüber dem „Sonntag", es habe bei Google eine Phase gegeben, «in der nicht genügend Rücksicht auf den Datenschutz genommen wurde», analysiert der Brite mit Wohnsitz Hamburg.

Die Schweizer und die Deutschen seien gegenüber Google misstrauischer als seine Landsleute, so Gowers. «Die Google-Ingenieure dachten über die technischen Lösungen, aber nicht über die Auswirkungen nach», sagt er.

Unterdessen sei das Bewusstsein aber deutlich gestiegen: «Es ist eine Veränderung eingetreten.» 700 Mitarbeiter aus über 60 Nationen arbeiten am Google-Standort Zürich. Weitere 300 werden folgen. Der definitive Entscheid des Bundesgerichts habe «keinen Einfluss auf die Investitionen in der Schweiz», versichert Länderchef Patrick Warnking auf Nachfrage.