Fifa-Skandal

Blatter spricht erstmals nach Suspendierung: «Alle gegen Sepp, das ist unfair!»

Die Sendung «rrotv sport»  mit Sepp Blatter.

Die Sendung «rrotv sport» mit Sepp Blatter.

Gut gelaunt steht Sepp Blatter im Studio von «Radio Rottu» und macht einen wahrhaft entspannten Eindruck. Dass der Fifa-Chef nur rund eine Woche nach seiner unsanften Suspendierung beim Walliser Lokal-Sender aufschlägt, ist für dessen Macher ein Coup.

Gut gelaunt steht Sepp Blatter im Studio von «Radio Rottu» und macht einen wahrhaft entspannten Eindruck. Dass der Fifa-Chef nur rund eine Woche nach seiner unsanften Suspendierung für den ersten Gang an die Öffentlichkeit ausgerechnet beim Lokal-Sender aufschlägt, ist für dessen Macher ein Coup. Blatter spricht beim Gespräch unter Freunden denn auch frei von der Leber – und schiesst mit markigen Worten gegen Medienschaffende und angebliche Feinde innerhalb der Fifa.

 
Die Suspendierung sei schwer zu verdauen gewesen, so Blatter. «Aber sie ist auch eine Befreiung. Jetzt bin ich arbeitslos und kann mich um mich selber kümmern. Ich kann mir überlegen, wie ich mein Leben gestalten will.»

Blatter ging nach dem Tiefschlag durch die Fifa-Ethikkammer vor acht Tagen auf Tauchstation. Als er im Wallis wieder aufgetaucht sei, hätten ihm die Menschen gesagt: 

«Iiii Sepp, so gut hast du noch nie ausgesehen.»  Sepp Blatter

Was aber weiterhin schmerze, sei die Vorverurteilung durch die Medien. «Der Fall von mir und Michel Platini wurde zu wenig sorgfältig untersucht, es wurde im Schnelldurchlauf entschieden», so Blatter. Mit den für die Suspendierung Verantwortlichen und dem damit einhergehenden Büro- und Stadionverbot geht Blatter hart ins Gericht: «Das ist unlogisch für einen Fifa-Präsidenten.» Und weiter:

«Ich habe niemanden benachteiligt, ich habe kein Geld gestohlen, ich bin kein Mörder. Dass ich nicht mehr auf auf den Fussballplatz gehen darf, ist hirnverbrannt.»  Sepp Blatter

Es ist nicht die einzige Breitseite, die Blatter gegen die Mitglieder der Ethikkommission abfeuert. Er ist der Ansicht, dass diese hätte abwarten müssen, bis die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen hat. Was jetzt passiert sei, «ist Vorverurteilung. Aber es ist ein Menschenrecht, angehört zu werden», so der 79-Jährige. Dass er ausgerechnet von der von ihm initiierten Kommission abgeschossen wurde, sei Ironie des Schicksals.

Auf die Frage, weshalb Michel Platini wegen der dubiosen 2-Millionen-Zahlung von den französischen Medien nicht so hart angegangen worden sei wie er von den Schweizer Medienschaffenden, sagt Blatter: «Platini ist in Frankreich ein Fussball-Idol. Zudem hat er moralischen Sukkurs von der Uefa erhalten. Der Vertrag mit ihm war übrigens ein Gentleman's Agreement. Es war alles rechtens.»

Was die Schweizer Journalisten betrifft, zieht Blatter heftig vom Leder. Er sei richtiggehend abgeschossen worden. Die Medien hätten einen so grossen Einfluss, dass sich offenbar sogar die Ethikkommission zu überhastetem Handeln gezwungen sah, weil sie unter Druck gewesen sei. An die Medienschaffenden gerichtet, sagt Blatter: «Denkt doch in Zukunft zweimal nach, bevor ihr jemanden verurteilt. Alle gegen Sepp, das ist unfair, nicht sportlich.» Denn, so Blatter:

«Man muss sich schon fragen, ob Journalisten nicht nachdenken, bevor sie etwas schreiben oder abtippen. Als Profi sollte man das machen. Und nicht einfach draufschlagen und nochmals draufschlagen.» Sepp Blatter

Auf die Frage, ob er bereue, sich dieses Jahr nochmals für eine Amtszeit als Fifa-Präsident zur Verfügung gestellt zu haben, sagt Blatter: «Die ganze Welt hat gefordert, dass ich mich nochmals für ein Mandat zur Verfügung stelle (...) – da waren aber nicht alle einverstanden. Das Kesseltreiben hatte begonnen.»

«Im Grunde genommen ging es um die Frage: Wie bringen wir Sepp Blatter weg? Aber ich habe in der Fifa viel Unterstützung. Viele bedauern, was passiert ist und wollen, dass ich zurückkomme.» Sepp Blatter

Suspendierung hin oder her: Aufgeben kommt für Blatter nicht in Frage. Er sagt: «Aufgeben, das existiert bei uns nicht. Wenn ich jetzt weglaufe, verleugne ich mich selber.» Der 79-Jährige glaubt, zu wenig Wertschätzung für seine Arbeit erfahren zu haben. Sein Selbstvertrauen: unerschütterlich.

«Wenn nicht morgen, so wird man halt übermorgen oder in einem Jahr feststellen, was ich für den Fussball geleistet habe.» Sepp Blatter

Die ganze Kritik an ihm sei nichts anderes als ein «Kampf ums Präsidium», der sich zu einem grossen, juristischen Kampf zwischen den USA und der Schweiz ausgewachsen habe. Es sei schade, dass der Fussball zu einem Spielball geworden ist. Schliesslich läuft Blatter noch einmal zu Hochform auf:

«Man schlägt nur auf jene ein, die etwas erreicht haben. (...) Ich glaube an mich, und ihr solltet auch an mich glauben.» Sepp Blatter

Der Interviewer, er ist Sportchef von «Radio Rottu», wünscht dem prominenten Gast «viel Kraft für die nächsten Wochen und dann einen respektvollen, würdigen und anständigen Abgang als Fifa-Präsident.»

«Das hett iische Sepp Blatter ganz sichär värdient.» Norbert Eder, «Radio Rottu»

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