Gegen den CVP-Nationalrat Yannick Buttet wurden schwere Vorwürfe erhoben: Wegen Stalkings seiner Ex-Geliebten läuft ein Verfahren gegen ihn. 

Die beiden Nationalrätinnen Yvonne Feri (SP) und Doris Fiala (FDP) kämpfen schon seit Jahren für die Umsetzung eines Stalking-Artikels. "Ich sage es nicht gerne, aber vielleicht hat es den Fall Buttet gebraucht, damit auch Bundesrätin Sommaruga versteht, dass das nicht zu viel verlangt ist", sagt Fiala in der Sendung «TalkTäglich». Persönlich habe sie keine schlechten Erfahrungen mit Buttet gemacht. "Ich musste schmunzeln, weil er einer der konservativsten CVP-Vertreter im ganzen Rat ist."

Der mit Stalking-Vorwürfen konfrontierte Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet ist nun auch von seinem Amt als Vizepräsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) zurückgetreten. (Archivbild)

Der mit Stalking-Vorwürfen konfrontierte Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet ist nun auch von seinem Amt als Vizepräsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) zurückgetreten. (Archivbild)

SP-Nationalrätin Feri fordert nun eine Anlaufstelle für Opfer von Sexismus im Bundeshaus: "Wir brauchen eine Vertrauensperson, die man konsultieren kann, wenn man in seiner Integrität verletzt wurde." In jeder Firma gäbe es solche Anlaufstellen, das Bedürfnis sei auch im Bundeshaus gegeben. Feri gibt Auskunft über die Lage im Bundeshaus und sagt etwas lapidar: "Ich will klarstellen, dass wir dort vor allem arbeiten und es keine reine Grabscherei ist."

Abgesehen vom Fall Buttet haben mehrere Parlamentarierinnen anonym von sexueller Belästigung im Bundeshaus, ihrem zeitweiligen Arbeitsplatz, berichtet. "Diese Anschuldigungen sind mir zuwider", sagt FDP-Nationalrätin Doris Fiala. "Jeder kann etwas in den Raum stellen." Ausserdem sei der Weg bis ins Bundeshaus hart: "Wir sind nicht alle Blüemli, die eine geschützte Werkstatt brauchen." Ihre Erfahrungen seien nie dramatisch gewesen, einen schlüpfrigen Witz müsse man halt "abklemmen". 

Ein Kuss auf die Stirn, das geht gar nicht

Yvonne Feri erzählt von einem Fall sexueller Belästigung, den sie selbst erfahren musste: "Als ich Gemeinderätin war, hat mir ein anderer Gemeinderat einen Kuss auf die Stirn gegeben – aus heiterem Himmel." Das mache man einfach nicht, stellt die Nationalrätin klar. "Er hat mich nicht um Erlaubnis gefragt und wir waren auch in keinem Flirt-Verhältnis."

Im Parlament sei es zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Sich sofort zu wehren sei schwierig, man stehe im Interesse der Öffentlichkeit und wolle sich das Verhältnis mit den Kollegen nicht verscherzen. "Wenn ich mich wehre, heisst es gleich, dass ich zickig bin", so Feri. Sie könne nachvollziehen, warum sich die betroffenen Frauen nicht mit ihren Namen gemeldet haben. 

Begriff Stalking nicht "inflationär" verwenden

Doris Fiala sieht den Handlungsbedarf bei der Eingrenzung der Begriffe Sexismus und Stalking. "Es gibt Frauen, die beschweren sich schon, wenn ihnen ein Kompliment zum schönen Rock gemacht wird." Schwerwiegende Stalkingfälle haben laut Fiala jedoch höhere Priorität, man dürfe den Begriff Stalking nicht "inflationär" verwenden. Sie erwarte einen ernsthaften Umgang mit diesem Thema und wolle die Vorfälle im Bundeshaus nicht in den Vordergrund stellen. "Die Leute müssen denken, wir seien ein Irrenhaus. Das ist nicht so." 

Sehen Sie hier die ganze Sendung:

Sexuelle Belästigung im Bundeshaus

Yannick Buttet soll Frauen im Bundeshaus sexuell belästigt haben. Jetzt fordern zwei Parlamentarierinnen eine Anlaufstelle für Opfer von Sexismus.