Punkt 13.30 Uhr ertönt heute der Heulton, steigt auf und ab, eine Minute lang. Es ist das Zeichen für «Allgemeiner Alarm». Grund zur Sorge besteht aber keiner. Am 6. Februar findet in der ganzen Schweiz der jährliche Sirenentest statt. Und es kommt zu einer Premiere: Der Bund testet seinen neuen Informationskanal – die App Alertswiss.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) arbeitet seit Jahren an einer Möglichkeit, um die Bevölkerung im Ernstfall auf einem «zeitgemässen Kanal» zu erreichen. «Aufgrund beschränkter Budgets und der Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern können die Behörden nicht bei jedem kurzfristigen Trend aufspringen», heisst es vom Babs. 2015 hat das Babs Alertswiss lanciert und mit den Kantonen weiterentwickelt. Es gibt eine Website, einen Twitter-Account, eine App – und Tipps dazu, wie man sich für Notfälle wappnen kann. Heute wird Alertswiss erstmals auch für die Alarmierung genutzt.

Im Ernstfall direkt aufs Smartphone

Wer die Alertwiss-App installiert – es gibt sie kostenlos für Android- und für iOS-Systeme – erhält Alarme als Push-Meldung direkt aufs Smartphone. Als Online-Publikation werden die Meldungen zudem auf der Alertswiss-Website verbreitet. «Mit den neuen Alertswiss-Dienstleistungen kann sich die Bevölkerung besser auf Katastrophen und Notlagen vorbereiten und die Eigenverantwortung besser wahrnehmen.»

Bei einem Erdbeben, dem Brand einer Chemieanlage oder einem Terroranschlag kann die Bevölkerung über Alertswiss zudem mit Informationen und Verhaltensanweisungen versorgt werden. Sowohl die App als auch die Alertswiss-Webseite seien darauf ausgelegt, im Ernstfall millionenfache Zugriffe und Abfragen auszuhalten.

7200 Sirenen heulen in der Schweiz

Seit Jahrzehnten wird die Bevölkerung in der Schweiz im Katastrophenfall über ein Sirenennetz alarmiert. 7200 Sirenen gehören dazu. Der Grossteil ist an Gebäuden befestigt. Die Sirenen sind mit Batterien ausgerüstet, die auch nach fünf Tagen Netzunterbruch noch Signale absetzen können. Für die Menschen ausserhalb besiedelter Gebiete stehen 2200 mobile Sirenen bereit. Diese sind in der Regel auf den Dächern von Einsatzfahrzeugen montiert.

Nach dem «Allgemeinen Alarm» über die Sirenen wird die Bevölkerung immer im Radio informiert. Bei Stromunterbruch können die Behörden zusätzlich Lautsprecher (auf Polizei-, Feuerwehr- und Zivilschutzfahrzeugen), Megaphone, Meldeläufer oder Flugblätter einsetzen.

Auf allen Kanälen informieren

Nicht jeder verstehe diesen Weg der Alarmierung aber – etwa Hörbehinderte oder Personen mit anderen Einschränkungen. Wer sich in einem Gebäude mit Schallschutzmassnahmen befindet, könnte die Sirenen ebenfalls nur schlecht hören. Mit der App will das Babs diese Menschen direkt erreichen, genauso wie Touristen, die jüngere Bevölkerung oder Zugewanderte. Schliesslich trägt ein Grossteil der Bevölkerung sein Smartphone immer mit sich.

Die Zuständigkeit für die Alarmierung liegt in den meisten Fällen bei den Kantonen. Ausgelöst wird der Alarm in der Regel in einer Einsatzzentrale der Kantonspolizei. Auf Bundesebene kann die Nationale Alarmzentrale Alarmmeldungen und weitere Informationen verbreiten. Die Sirenen und das Radio haben damit aber nicht ausgedient. Der Bund verfolgt eine «Multikanalstrategie»: Die Behörden sollen die Bevölkerung nicht mehr nur mit Sirenen alarmieren können, sondern über möglichst viele Kanäle wie das Internet, Apps, allgemeine Anzeigesysteme oder die sozialen Medien.

Das richtige Verhalten in einem Notfall:

  • Allgemeiner Alarm (regelmässig auf- und absteigender Ton von einer Minute Dauer) und/oder Pushmeldung:
    Radio hören
    - Anweisungen der Behörden befolgen
    - Nachbarn informieren
  • Wasseralarm (in der Nähe von Stauanlagen, zwölf tiefe Dauertöne von je 20 Sekunden in Abständen von je zehn Sekunden) und/oder Push-Meldung:
    - Gefährdetes Gebiet sofort verlassen
    - Örtliche Merkblätter beachten
    - Anweisungen der Behörden verfolgen