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So entsteht die Daniel-Koch-Figur im Isenthaler Holzatelier

Daniel Koch: Fast schon ein richtiger Schweizer Held

Daniel Koch: Fast schon ein richtiger Schweizer Held

Bei dieser Holzfigur kann es sich nur um einen handeln: Die Gesichtszüge des obersten Schweizer Seuchenbekämpfers nehmen in der Holzwerkstatt von Peter Bissig zügig Form an. Dabei ist viel Handarbeit gefragt. Ein Augenschein.

Es sind gezielte Schläge aufs Holz: Ein, zwei, drei Mal. Späne fallen zu Boden, ein leichter Holzgeruch liegt in der Luft. Das dumpfe Klopfen versinkt im Rauschen des Baches, der neben der Werkstatt vorbeifliesst. Durch die Werkstattfenster gleisst grosszügig das Licht der Morgensonne. Hier, hoch oben in Isenthal, zwischen Hoh Brisen und Gitschen, merkt man nicht viel von der Corona-Krise. Gleichwohl entsteht in der Werkstatt von Peter Bissig eine Holzfigur, die zu Ehren jenes Mannes gedacht ist, der die Schweiz mit ruhiger Hand durch die Pandemie führt. Mit Hammer und Meissel arbeitet sich Bissig vor. «So, jetzt sind die Ohren parat», sagt er. Die Konturen des markanten Gesichts von Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit sind bereits gut erkennbar.

Die positive Resonanz, die er mit seiner Aktion auslöste, hat Bissig überrascht. Eigentlich war es nur eine Skizze von Daniel Koch, die er in den sozialen Medien teilte. Doch der Ruf nach ihrer Verwirklichung war unüberhörbar (unsere Zeitung berichtete). Und so ist der Holzbildhauer bereits seit 6 Uhr morgens auf den Beinen und setzt die Idee um. «Die Morgenstunden sind für mich die produktivsten, weil man da noch einen frischen Kopf hat.» Der 38-Jährige arbeitet schnell und sicher. «Da ist viel Routine dabei», sagt er. So verwundert es kaum, dass er am Dienstag, dem Tag 2 seiner Arbeit an Daniel Koch, voll im Zeitplan liegt. Die 1,5 Meter grosse Statue entsteht in nur drei Tagen. Einen neuen Geschwindigkeitsrekord wird Bissig damit aber nicht aufstellen. «Diese Skulptur ist aufwendiger als andere, weil man das Gesicht von Daniel Koch gut erkennen soll.»

Aus weichem Lindenholz geformt

Es ist ein ehemaliger Lindenbaum aus dem Gebiet Ripshausen in Erstfeld, der hier in einer Holzfigur von Daniel Koch aufgeht. Der Holzbalken erreichte Peter Bissigs Werkstatt vor vier Jahren, wo er seither gelagert wurde. Lindenholz sei ein dankbares Holz. «Es ist sehr gleichmässig und weich, hat wenige Äste.»

Nicht zu unterschätzen ist aber die Vorarbeit: Am Samstag erstellte der Isenthaler eine 1:1-Schablone mit Bleistift und Papier, die er am Montag auf den Holzbalken klebte, um daraufhin die Silhouette mit einer Bandsäge herauszusagen. Danach war Feinarbeit gefragt. «Der Kopf ist das Aussagekräftigste an dieser Figur, sie macht den Charakter aus.» Damit die Mimik zu passen kommt, schläft Bissig auch gerne mal drüber. «Wenn ich am Morgen in die Werkstatt zurückkehre, schaue ich die Holzfigur wieder mit ganz frischen Augen an.»

Wie schon zu Zeiten seines Grossvaters Ernst Bissig, der die Holzwerkstatt 1930 gründete, handelt es sich beim Grossteil der Arbeit in der Werkstatt um Handarbeit. «Leider habe ich meinen Grossvater nicht selber kennengelernt. Aber seit 1930 hat sich hier einiges getan», sagt Bissig. Ausser der Bandsäge, die noch original auf dem Holzboden der Werkstatt steht, findet man heute vor allem raffinierte Geräte vor: Sie dienen der maschinellen Holzbearbeitung, beispielsweise dem Holzverleimen und Zusammenfügen. «Mein Grossvater war vor allem für das Tal da. Er hat Türen und Fenster für die Gemeinde hergestellt, Dinge, die hier benötigt wurden.» Das sei heute ganz anders. «Die Liebe zum Material Holz ist aber geblieben.»

Ein Stück Heimat in der Ferne

Diese Liebe zum Material kommt nirgends besser zum Ausdruck, als in Bissigs grossen, schlanken Holzfiguren: Mit ihren meist roten Hosen, roten Kappen und den aufgeweckten Gesichtern lösen die Figuren bei vielen Menschen ein Lächeln aus. Die «roten Manndli», wie sie auch genannt werden, waren bereits an Ausstellungen in Dubai, Brüssel und New York zu bewundern, sie stehen in Berghütten, Galerien und auf verschiedenen Plätzen in Amerika, Kanada, Südkorea und einigen Ländern Europas. «Viele Auslandschweizer wollen eine Figur in die Ferne mitnehmen, damit sie noch einen Bezug zu ihrer Heimat haben. Ich erinnere mich auch an einen Holländer, der in der Schweiz wanderte und eine meiner Figuren in einer SAC-Hütte entdeckte. Er wollte auch so eine haben und ich habe ihm eine gemacht.»

Dass er eines Tages Holzfiguren herstellen würde, damit hat Bissig nicht gerechnet. 2002 schrieb er sich dann für drei Jahre an der Schule für Holzbildhauerei in Brienz ein. «Ich habe die Figuren nicht gesucht, sie haben mich gefunden», sagt er. Das war 2008, drei Jahre, nachdem er sich selbstständig gemacht hatte. Von der Ausbildung in Brienz profitiert er bis heute: «Das Ambiente war sehr inspirierend, der Austausch mit Gleichgesinnten, ob aus dem Handwerk oder der Kunst, hat mir viel gebracht.»

Daniel Koch kommt ins Isental

Und so kann sich Bissig heute grossmehrheitlich seiner grossen Leidenschaft widmen, den Holzfiguren. Dass eine von ihnen Daniel Koch gewidmet wird, ist etwas Spezielles. Er sagt:

Viele Menschen scheinen so zu fühlen wie Peter Bissig. Die Spendenaktion im Zusammenhang mit der Figur wirkte hochansteckend, wie Kassiererin Luzia Schuler schreibt. Innerhalb eines Monats seien rund 12'500 Franken zusammengekommen. 125 Einzelpersonen und Paare haben teilgenommen. Spenden werden auf dem Konto nach wie vor entgegengenommen.

Die Statue soll Ende Mai oder Anfangs Juni an Daniel Koch übergeben werden, der extra dafür ins Isental reist. Seit ein paar Wochen weiss der Beamte von seinem Glück. «Die Freude über das Geschenk war am Telefon hörbar», sagt Peter Bissig. Das Geld der Spendenaktion kommt dem IKRK, dem ehemaligen Arbeitgeber von Daniel Koch, zu Gute. «Ein persönlicher Freund von Daniel Koch wird es in Afrika investieren. Da ist die Chance gross, dass es an den richtige Ort kommt.»

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