Wahlen 2019

So viele Frauen wie noch nie: So steht es um die Geschlechter-Balance in den Kantonen

Die Grünen-Nationalrätinnen Adele Thorens (VD, l.) und Lisa Mazzone (GE) freuen sich über ihre Wiederwahl. Beide könnten auch noch den Sprung in den Ständerat schaffen.

Die Grünen-Nationalrätinnen Adele Thorens (VD, l.) und Lisa Mazzone (GE) freuen sich über ihre Wiederwahl. Beide könnten auch noch den Sprung in den Ständerat schaffen.

Historische Premiere: Fünf Kantone schicken mehr Frauen als Männer in den Nationalrat, drei weitere gleich viele Frauen und Männer. Ein Überblick, wie es in den Kantonen um die Geschlechter-Ausgeglichenheit steht.

Bisher war Baselland der einsame Spitzenreiter: Als erster und einziger Kanton schickte er mehr Frauen als Männer in den Nationalrat. Nach den Wahlen 2011 waren vier seiner sieben Vertreter weiblich, nach den Wahlen 2015 kamen sogar fünf Sitze in die Hände von Politikerinnen. Das entspricht einem Anteil von 71,4 Prozent. Einzig in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Uri war der jeweils einzige Nationalratssitz temporär ebenfalls schon in Frauenhand. Alle anderen Nationalratsdeputationen der 26 Kantone waren stets männlich dominiert – obwohl es das Frauenstimmrecht seit bald 50 Jahren gibt.

Nun aber hat sich das Blatt gewendet. Die Frauenquote im Nationalrat ist von 32 auf 42 Prozent gestiegen – ein weit stärkerer Zuwachs als im Durchschnitt der vergangenen Wahlen.

Mehr noch: Baselland besetzt nicht nur weiterhin fünf seiner sieben Sitze mit Nationalrätinnen. Er ist auch nicht mehr der einzige Kanton mit Proporzwahlrecht, der eine Frauenmehrheit stellt. Neu kommen Basel-Stadt, Bern, Freiburg und Graubünden hinzu, ebenso hat sich erstmals eine Politikerin den einzigen Obwaldner Sitz gesichert. Zusätzlich gibt es mit Genf, Schaffhausen und Thurgau erstmals in drei Kantonen geschlechterparitätische Abordnungen.

Frauenrutsch in Bern, Verdoppelung in Genf

Faustdick war die Überraschung vor allem in Graubünden. Drei von fünf Sitzen sind jetzt in Frauenhand. SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher wurde mit einem Topresultat wiedergewählt. Die Bergeller Gemeindepräsidentin Anna Giacometti eroberte vom vierten Listenplatz aus den einzigen Bündner FDP-Sitz. Und bei der SP holte Sandra Locher einen zweiten Sitz.

Einen historischen Moment gab es auch in Bern. Nachdem der Frauenanteil bei den letzten Wahlen sogar noch zurückging, war die Ernüchterung gross. Nun sind 13 der 24 Gewählten Frauen. Gleich vier Männer wurden in Bern abgewählt. Dem Wahlresultat zum Trotz: Nachdem gestern BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon auf ihr Nationalratsmandat verzichtet hat und ein Mann für sie nachrücken wird, stellt Bern effektiv je zwölf Frauen und Männer.

In Basel-Stadt schafften drei Frauen und zwei Männer die Wahl. Weil Noch-Regierungsrätin Eva Herzog jedoch auch den Sprung in den Ständerat geschafft hat, kann ein Mann ihr Nationalratsmandat erben.

Ihre Vertretung glatt verdoppeln konnten die Frauen im Kanton Genf, statt wie bisher drei schicken sie nun sechs Vertreterinnen in den Nationalrat. Damit sind beide Geschlechter gleichermassen vertreten. Obwalden schliesslich delegiert mit der SVP-Vertreterin Monika Rüegger erstmals eine Frau nach Bern.

Appenzell Innerrhoden, Glarus und Nidwalden haben noch gar nie eine Frau in die grosse Kammer entsandt, den Abordnungen der Kantone Wallis, Neuenburg, Jura, Appenzell Ausserrhoden und Uri gehören zumindest aktuell keine Politikerinnen an. Bemerkenswert ist die rein männliche Vertretung des Kantons Wallis, der immerhin über acht Sitze verfügt.

Und im Ständerat? Hier haben erst fünf Frauen ihre Sitze auf sicher. Nach den zweiten Wahlgängen im November könnte es bis zu elf Ständerätinnen geben. Bisher sassen in der kleinen Kammer sechs Frauen, gleich fünf von ihnen haben sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Einzig die Waadt könnte eine reine Frauendelegation ins Stöckli wählen.

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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