Schweiz

So wundern sich ausländische Medien über das Diskriminierungsverbot von Homosexuellen

Schlägt auch international Wellen: Der Ausbau des Schutzes von Homosexuellen in der Schweiz.

Schlägt auch international Wellen: Der Ausbau des Schutzes von Homosexuellen in der Schweiz.

Während italienische Medien sich kaum für die Schweizer Abstimmung interessieren, schielen österreichische Politiker auf den ausgebauten Schutz der LGBT-Gemeinschaft. Auch New York berichtet aus Bundesbern.

Dass es die Schweiz in die internationalen Schlagzeilen schafft, kommt nicht jeden Tag vor. Doch am heutigen Montag ist es wieder mal so weit. «Anders als die meisten westeuropäischen Länder kannte die Schweiz bisher kein Gesetz, das Lesben, Schwule oder Bisexuelle vor Diskriminierung schützte», wundert sich zum Beispiel die «New York Times».

In internationalen Rankings rangiere die Schweiz etwa hinter Frankreich, Belgien oder Grossbritannien. Sogar die Uno – berichtet der «NYT»-Korrespondent seinen Lesern – habe die Schweiz bereits gemahnt, Homo- und Bisexuelle besser vor Diskriminierung zu schützen. Umso höher sei das deutliche Ja der Schweizer Stimmbevölkerung zur Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm vom Sonntag zu gewichten.

Auch deutsche Zeitungen wundern sich

Ähnlich analysiert die Korrespondentin der «Süddeutschen Zeitung» das Ja als «überfällig». Damit werde der LGBT-Gemeinschaft künftig auch in der Schweiz der gleiche Schutz vor Hass gewährt wie etwa jüdischen oder schwarzen Menschen. Und dies, ohne dass dadurch die Meinungs- oder Glaubensfreiheit eingeschränkt werde.

Schwule und Lesben feiern ihren Abstimmungssieg

Schwule und Lesben feiern ihren Abstimmungssieg

Partystimmung im Berner Restaurant "Grosse Schanze": Schwule und Lesben feiern zusammen mit Politikern die deutliche Annahme der Ausweitung der Rassismus-Strafnorm auf die sexuelle Orientierung. Für Roman Heggli von der Schwulen- und Lesbenorganisation Pink Cross ist jetzt aber auch eine konsequente Umsetzung wichtig. "Wir werden Polizeien und Staatsanwaltschaften für die Thematik sensibilisieren, damit sie das Gesetz gut umsetzen", kündigte er im Interview mit Keystone-SDA an.

Auch der Korrespondent der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet über den «besseren Schutz für Homosexuelle». Dabei sei das Ja zur Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm zustande gekommen, obwohl es zum Ausmass der Homophobie in der Schweiz gar keine Statistiken gebe.

Österreichische Organisation kritisiert eigene Politik

In Italien oder Österreich dagegen berichten die Medien derweil vorab via Agenturmeldungen über die Ergebnisse der Eidgenössischen Abstimmungen vom Sonntag. ORF.at ergänzt die Meldung allerdings um den Zusatz, dass die österreichische sozialdemokratische LGBTIQ-Organisation SoHo der Schweiz «herzlich» zum Abstimmungs-Ausgang gratuliere. «Die Schweiz hat vorgezeigt, was in Österreich leider bis heute nicht möglich ist», zitiert ORF.at den SoHo-Vorsitzenden Mario Lindner. «Ein umfassender, gesetzlicher Diskriminierungsschutz.»

Karin Keller-Sutter: «Das Ja ist ein Signal der Bevölkerung»

Karin Keller-Sutter: «Das Ja ist ein Signal der Bevölkerung»

Bundesrätin Karin Keller-Sutter zeigte sich zufrieden über die Annahme der erweiterten Rassismus-Strafnorm. „Es ist ein erfreuliches Ergebnis“, sagte sie gegenüber Keystone-SDA. Wenn das Gesetz im Sommer 2020 in Kraft tritt, rechnet die Bundesrätin aber nicht mit einer Klagewelle. „Es wird sich an dem orientieren, was wir in den letzten 25 Jahren in der Gerichtspraxis gesehen haben.“

Dieser Ausbau des Diskriminierungsschutz werde in Österreich seit Jahren von der konservativen ÖVP von Kanzler Sebastian Kurz blockiert und finde sich auch nicht im neuen türkis-grünen Regierungsprogramm, wird der SPÖ-Nationalrat weiter zitiert. SoHo-Chef Mario Lindner: «Wir dürfen noch immer aus Cafes, Taxis, Clubs und Wohnung geschmissen werden, nur weil wir stolz und selbstbestimmt leben.»

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