Die Socken sind aus Biogarn, hergestellt von der kleinen Sockenfirma Tanner im sankt-gallischen Balgach, Switzerland first: Anders als die Juso – ihre Fahnen für die 1:12-Initiative wurden in China produziert – tappt die SP nicht in die Herkunftsfalle. Und scheint sogar einen modischen Nerv getroffen zu haben. Bis Samstagmittag haben rund 500 Personen, welche die SP unterstützen, mit einer Spende gleichzeitig ein paar rote Socken mit dem SP-Logo bestellt.

Die Rotsockenaktion, die seit letztem Dienstag läuft, spülte bis anhin gut 42 000 Franken in die Kasse der Genossen. Mit diesem Geld will die Partei Flyer drucken und Plakatflächen reservieren, um bei den eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober die SVP/FDP-Mehrheit im Nationalrat zu brechen. Die SP liess 1000 Paar Socken produzieren. Einen ersten ästhetischen Härtetest bestand die Sonderanfertigung Anfang Dezember, allerdings vor nicht ganz objektivem Publikum: Am Parteitag im aargauischen Brugg präsentierte Christian Levrat die rote Fussbedeckung in seinen schwarzen Schuhen.

Der wichtigste Textilhit der SVP ist die Kochschürze mit Parteilogo. Sie passe gut zum Motto «SVP bi dä Lüt – SVP hört zu und packt an», sagt die stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär. Mit ihrem Sortiment, zu dem auch Krawatten oder Tischtuchrollen gehören, macht die SVP pro Jahr einen Umsatz von 20 000 bis 40 000 Franken. Bär hält es für gut möglich, dass einzelne Kandidaten oder Kantonalparteien für die Wahlen im Herbst ähnliche Aktionen planen wie die SP mit den roten Socken.

Die orangen Westen der CVP

Andere Parteien verzichten auf eine modische Aufrüstung eigens zu Wahlkampfzwecken. Die FDP bietet zum Beispiel Poloshirts an. Umsatzzahlen zum Artikelverkauf aus dem parteieigenen Shop gibt der Freisinn keine bekannt. CVP-Sprecher Manuel Ackermann verrät, dass die Kleiderverkäufe «keinen nennenswerten Umsatz abwerfen» und im Wahlkampf keine besondere Rolle spielen werden.

Für spontane Protestbewegungen wäre die CVP jedoch gerüstet: Sie bietet orange Westen an. Die Grünen liessen für die letzten Wahlen T-Shirts, Jacken, Mützen und Fahnen produzieren und erzielten im Wahljahr 2015 damit einen Umsatz von 5600 Franken. Derzeit prüft die Partei, zum Beispiel die T-Shirts mit einem Wahlslogan 2019 zu aktualisieren. Die Grünliberalen erzielen mit Kleiderverkäufen einen Umsatz von einigen hundert Franken pro Jahr. Ausrüsten kann man sich unter anderem mit GLP-Kappen, -Jacken oder T-Shirts.

Ob die Partei für die Wahlen weitere Angebote macht, ist noch offen. Die BDP hingegen weiss jetzt schon, dass sie weiterhin nur Krawatten und Seidenfoulards anbieten wird.

Übrigens: Sockenpioniere sind die Sozialdemokraten nicht. Diesen Titel verdient die Operation Libero, die seit Dezember 2016 jetzt 1561 Socken mit ihrem Logo in den Umlauf gebracht hat. Produziert werden sie von einem portugiesischen Familienunternehmen unter dem «Oeko-Tex 100»-Standard. «Dieses Siegel garantiert schadstofffreie und gesundheitlich einwandfreie Textilien», so Sprecher Silvan Gisler.