Wenn auf den ersten Blick ersichtlich sei, welches Potenzial auf den Dächern zwischen Chur und Genf schlummere, würden viele Hausbesitzer und Bauherren die Installation einer Solaranlage wagen, glaubt Beat Jans. Daher regt der Basler SP-Nationalrat beim Bundesrat die Erstellung eines schweizweiten Solarkatasters (separater Text) an.

In einigen Schweizer Städten wurden bereits Solarkataster erstellt, so in der Waadtländer Gemeinde Treytorrens und in St.Gallen. Derzeit lässt Basel ein Kataster erstellen, es soll im Herbst online gehen; auch Neuenburg lässt eine solche Karte machen. Im internationalen Vergleich aber hinkt die Schweiz hinterher. In Deutschland haben bereits Hunderte Städte und Gemeinden einen Solaratlas erstellt.

Nun will Jans einen Schritt weiter gehen und fordert ein nationales Kataster. Der Bundesrat soll dessen Erstellung im Rahmen von Energie Schweiz, dem Programm für Energieeffizienz und erneuerbare Energien, prüfen. Sollte dieses Kataster aus rechtlichen Gründen – weil die Kantone zuständig sind – nicht möglich sein, soll das Gesetz geändert werden.

Daten von MeteoSchweiz

«Ein Solarkataster liesse sich mit-hilfe von Luftbildern, Vermessungsdaten und moderner Software verhältnismässig einfach erstellen», sagt Jans. Tatsächlich ist MeteoSchweiz, das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, im Besitz von flächendeckendem satellitengestütztem Kartenmaterial, das bereits Sonneneinstrahldauer und -winkel zeigt, wie Markus Aebischer von der Marketingabteilung des Bundesamts bestätigt.

Diese Daten müsste man lediglich einem auf die Erstellung von Solarkatastern spezialisierten Unternehmen zur Verfügung stellen, welches dann die Karte erstellen und Internet-tauglich aufbereiten würde. Die Kosten dafür lägen gemäss Branchenschätzungen bei einer Million Franken. Aufgrund seiner Erfahrungen hält Harry Künzle, Energiebeauftragter der Stadt St.Gallen, diese Zahl für «sehr realistisch». Die externen Arbeiten für das Solarkataster haben die Gallusstadt lediglich 28000 Franken gekostet, inklusive spezifischer Daten, die das Paket um rund 7000 Franken verteuerten. Selbst Berlin hat für seine 890000 Quadratkilometer Fläche nur 140000 Euro bezahlt – dort lag allerdings wie in St. Gallen bereits ein 3-D-Modell der Stadt vor.

Neue Geschäftsmodelle angedacht

Der Vorteil eines Solarkatasters liegt nicht nur darin, dass Hauseigentümer Sicherheit über die Rentabilität einer Anlage gewinnen. Auch die Elektrizitätswerke (EW) könnten die Karten laut Jans nutzen und gezielt auf Dachbesitzer zugehen: «Ich könnte mir vorstellen, dass die EW entweder Dachflächen zur Erzeugung von Solarstrom oder -wärme vom Besitzer mieten oder diesen bei der Installation einer Anlage unterstützen», sagt er.

In Hamburg, das als eine der ersten deutschen Städte über einen Solaratlas verfügte, wurden die Daten gar an einen Energieversorger verkauft. Auch St.Gallen will mit massgeschneiderten Angeboten auf die Hauseigentümer zugehen. Derzeit würden verschiedene Geschäftsmodelle ausgearbeitet, wie Künzle sagt.