Diese Post wird Alain Berset nicht gefallen. Seine Vorschläge zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen kommen nicht gut an. Diese zeigen die Stellungnahmen wichtiger Player. Zumindest was Einsparungen im Medikamentenbereich anbelangt, so stellt sich dem Bundespräsidenten eine breite Front entgegen. In erster Linie geht es um Sparmassnahmen bei den Generika, die in der Schweiz fast doppelt so teuer sind als im Durchschnitt neun europäischer Vergleichsländer.

Gegen die vorgeschlagenen Massnahmen sprechen sich nicht nur die Hersteller von Generika und Originalpräparaten aus, sondern auch sämtliche Leistungsbringer. Dazu gehören die Ärztevereinigung FMH, Ärzte mit Patientenapotheke, der Apothekerverband Pharmasuisse und der Spitalverband H+.

Sie alle stören sich am sogenannten Referenzpreissystem, dass der Bundesrat vorschlägt. Vereinfacht gesagt will er künftig ein Höchstpreis pro Wirkstoff festlegen. Möchte ein Patient ein teureres Präparat, muss er die Differenz selber berappen. Zwar hat der Bundesrat zwei Varianten vorgeschlagen, doch der Widerstand richtet sich gegen Referenzpreise per se.

Ein solches System sei «durch und durch unsozial», schreibt der Verband Intergenerika. Geschäftsführer Axel Müller spricht von einer «höchst destabilisierenden Wirkung» auf das Gesundheitssystem. Gerade Langzeitpatienten wären mit laufenden Medikamentenwechseln konfrontiert, so Geschäftsführer Axel Müller.

Der Grund: Würde der Referenzpreis angepasst, müssten Patienten möglicherweise ihr Präparat der Wahl wechseln, um weiterhin keinen Zuschlag zum Höchstpreis zu bezahlen, so die Befürchtung. Dieses Argument teilen auch Ärzte, Apotheker und Spitäler.

Sie sorgen sich zudem um die Therapiefreiheit. So könne es bei der Wahl eines Präparats etwa zu unnötigen Diskussionen über Preise und Rückerstattung kommen, schreibt der Spitalverband H+. Schliesslich fürchten sich alle Gegner auch um die Versorgungssicherheit. Kämen die Preise weiter unter Druck, könnten sich die Hersteller gezwungen sehen, Generika vom Schweizer Markt zurückzuziehen oder gar nicht erst hier zu lancieren.

Auch Befürworter üben Kritik

Zu den Befürwortern zählen vor allem die Krankenversicherer, der Konsumentenschutz und der Preisüberwacher. Der Kassenverband Santésuisse rechnet mit Einsparungen von 400 Millionen Franken. Doch auch unter den Befürworter sind nicht alle mit den Vorschlägen des Bundesrats restlos zufrieden.

Für Preisüberwacher Stefan Meierhans fehlen etwa wichtige Begleitmassnahmen. So sollen Ärzte künftig nicht mehr ein konkretes Medikament verschreiben, sondern lediglich dessen Wirkstoff. Damit würden Generika noch stärker gefördert. Zudem müsse auch die Zulassung der Nachahmerpräparate vereinfacht werden, in dem etwa nicht mehr alle Packungsgrössen des Originals angeboten werden sollen, sagt Meierhans.

Beachtliche Gegenwehr formiert sich auch gegen die Senkung der Marge, mit der Ärzte und Apotheker für den Verkauf von Medikamenten entschädigt werden. Der Bund will mit der Änderung rund 50 Millionen Franken sparen.

Gar keine Freude hat etwa der Ärzteverband FMH: «Wir haben den Eindruck, dass der Bundesrat und das Bundesamt für Gesundheit die Leistungserbringer und dabei vorrangig die Ärzte als jene Zielgruppe auserkoren hat, die in vielfacher Hinsicht ‹Opfer› bringen sollen». Zudem hätten sie über die Senkung der Medikamentenpreise zudem Einsparungen beigetragen.

Marge unabhängig vom Preis

Wenig überraschend sind auch die Apotheker gegen die Senkung der Marge. Wie die Ärzte schlagen auch sie ein System vor, in dem die Marge unabhängig vom Preis eines Präparats festgelegt wird. Nur so könnten die Fehlanreize beseitigt werden.

Denn in der Tendenz verdienen Ärzte und Apotheker bei teureren Medikamenten mehr, was der Verkauf an Originalpräparaten attraktiver macht. Mit dem Vorschlag des Bundes werde dieser Fehlanreiz sogar noch verschärft. Die Einführung eines Referenzpreissystems sei deshalb nur dann sinnvoll, wenn eine preisunabhängige Marge eingeführt wird, so die Schlussfolgerung des Verbands Pharmasuisse.

In diesem ersten Paket zur Kostendämpfung sind auch andere Massnahmen enthalten, die weit weniger umstritten sind. Ein Beispiel sind Anpassungen der Tarife im ambulanten Bereich. Kurzfristig lassen sich jedoch vor allem bei den Medikamenten und der Marge Geld sparen.