Abtreibungen

Spitäler haben strengere Abtreibungs-Praxis als das Gesetz verlangt

In der Schweiz gibt es Lücken in den Möglichkeiten zur Abtreibung. Dies wirkt sich vor allem für junge Frauen und Migrantinnen negativ aus. Einigen bleibt dann nur noch der Gang ins Ausland. Dies belegt eine aktuelle Umfrage.

Gemäss Gesetz ist ein Abbruch der Schwangerschaft bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich. Danach ist ein Abbruch gestattet: «wenn er nach ärztlichem Urteil notwendig ist, damit von der schwangeren Frau die Gefahr einer schwerwiegenden körperlichen Schädigung oder einer schweren seelischen Notlage abgewendet werden kann. Die Gefahr muss umso grösser sein, je fortgeschrittener die Schwangerschaft ist. Diese gesetzliche Formulierung lässt den Spitälern breiten Ermessungsspielraum in der Beurteilung des Einzelfalls.

Eine Umfrage der APAC-Suisse, Arbeitsgruppe von Fachleuten im Bereich des Schwangerschaftabbruchs, zeigt, dass die Schweizer Spitäler eine strengere Abtreibungs-Praxis pflegen als das Gesetz verlangt. Die Spitäler wurden gefragt, ob sie Schwangerschaftsabbrüche nach der 12. Woche auch bei schwerer seelischer Notlage vornehmen und wenn ja, bis zu welcher Schwangerschaftswoche.

Der APAC-Suisse stellt aufgrund der Umfrage «Lücken in der Versorgung und Hinweise auf lokale Qualitätsmängel» fest. Die beschränkten Möglichkeiten können sich insbesondere für «Frauen mit knappen Ressourcen, für Jugendliche und Migranntinnen» negativ auswirken.

Der Ermessensspielraum wird nicht ausgeschöpft

Die Resultate basieren auf den Angaben von 93 Kliniken, welche Abbrüche durchführen. 64 davon führen Abbrüche auch nach er 12. Woche durch. Davon akzeptieren lediglich 46 eine «schwere seelische Notlage» als Begründung und dies in den meisten Fällen zeitlich beschränkt, bis maximal zur 15. Woche. Bei 33 Kliniken wird in solchen Fällen eine psychiatrische Begutachtung verlangt, obwohl dies vom Gesetz nicht vorgeschrieben ist. Zahlreiche Institutionen schöpfen den im Gesetz enthaltenen Ermessenspielraum im Bezug auf «schwere seelische Notlage» als Grund für einen Abbruch nicht aus. Dies hat untere anderem zur Folge, dass jährlich rund 50 Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch ins Ausland reisen.

Mit einem Rücklauf von 72 % ist die Umfrage gemäss APAC-Suisse hochrepräsentativ.

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit liberalen Regelungen für den Abbruch einer Schwangerschaft. Die Rate von 6,5 Abbrüchen auf 1000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren gehört zu den tiefsten. Die Situation in Bezug auf die Praxis ist vergleichsweise gut.

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