Autopsien
Spitäler fehlen die Leichen – Ausbildung der Mediziner ist gefährdet

Die Zahl der Autopsien hat in den letzten Jahren stark abgenommen – und ist an einem Tiefpunkt angelangt. Immer häufiger verweigern Patienten ihre Zustimmung zu einer Autopsie, berichtet die «Schweiz am Sonntag».

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Schweizweit sank die Zahl von jährlich über 8000 Autopsien 1993 auf knapp 2000 heute. (Symbolbild)

Schweizweit sank die Zahl von jährlich über 8000 Autopsien 1993 auf knapp 2000 heute. (Symbolbild)

Istockphoto

In Bern wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 156 klinische Autopsien durchgeführt. Vor 20 Jahren waren es noch 1007. Am Universitätsspital Zürich zeigt sich ein ähnliches Bild.

Das sind keine Einzelfälle: Schweizweit sank die Zahl von jährlich über 8000 Autopsien 1993 auf knapp 2000 heute. Das entspricht einem Einbruch von über 70 Prozent.

«Wir sind am unteren Limit angelangt», sagt Aurel Perren, der Direktor des Institutes für Pathologie in Bern. «Wenn die Zahl der Autopsien weiter abnimmt, leidet die Ausbildung der angehenden Mediziner.»

Dann könnten sie den jetzigen Standard nicht mehr halten. Für die Aus- und Weiterbildung der Ärzte sind Autopsien unverzichtbar. Nur durch die Obduktion könnten angehende Mediziner Krankheiten «in natura» sehen, sagt Perren.

Erst diese Erfahrung mache eine Krankheit greifbar und gebe den höheren Semestern und Assistenzärzten eine echte Vorstellung vom Krankheitsverlauf und den Folgen für den Körper. Ansonsten würden die Studenten nur die Schwarz-Weiss-Bilder der Röntgenmaschine kennen. Auch im Baselbiet ist der Rückgang der klinischen Autopsien deutlich. Waren es vor 20 Jahren über 585, sind es heute knapp 100.

Die Gründe für den Einbruch sind vielfältig. In den letzten 15 Jahren wechselten viele Kantone von der Widerspruchslösung zur Zustimmungslösung. Seither müssen entweder die Patienten oder deren Angehörige in die klinische Autopsie einwilligen. «Patienten und Angehörige lehnen eine Autopsie heute deutlich öfter ab», sagt Gieri Cathomas Chefarzt der Pathologie am Kantonspital Baselland.

Damit wieder mehr Personen einer Autopsie zustimmen, muss laut Perren ein Imagewandel her. Dem Prozess hafte ein schmuddeliger Ruf an. Dabei handle es sich bei einer Autopsie vielmehr um einen postmortalen Eingriff: hell und sauber statt düster und blutig, wie manche TV-Serie fälschlicherweise vermuten lässt.