Die SRF-Radiosendungen "Echo der Zeit", "Tagesgespräch" und auch "Rendez-vous" könnten weiterhin in Bern produziert werden, wie SRF am Donnerstag mitteilte. Die Chefredaktion Radio hingegen würde teils in Zürich und teils in Bern arbeiten.

Ein Eckstein für die Entwicklung der Audiostrategie ist laut der Mitteilung hingegen, "dass Radio SRF 4 News nach Zürich gehen sollte". Als eigentliches Newsroom-Radio könne sich SRF 4 News zu einem Nachrichtenradio "an der Grenze zwischen Live-Radio und digitalen On-demand-Angeboten" weiterentwickeln.

Angedacht ist zudem, dass Newsinhalte für die Morgensendung von Radio SRF1 in Zürich produziert werden. Geprüft wird schliesslich auch, welche Aufgaben der Redaktion Nachrichten/Teletext in Bern und welche in Zürich sinnvoll sind, wie SRF weiter schreibt.

"Entschieden ist noch nichts"

SRF-Direktorin Nathalie Wappler, seit nunmehr hundert Tagen im Amt, informierte am Donnerstag die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Audiostrategie. "Entschieden ist noch nichts", betonte sie danach an einer Telefon-Medienkonferenz. Von einer Kehrtwende sei keine Rede.

Die Audiostrategie nennt SRF eine Antwort auf Digitalisierung und Spardruck. Unter anderem befasst sie sich mit der Entwicklung von Podcasts und anderen digitalen Projekten - beispielsweise Smart Speakers. Laut Wappler geht es darum, Audio-Inhalte von SRF ressourcenschonend und dabei zukunftsfähig zu verbreiten.

Die Strategie für das lineare Radio und das On-demand-Angebot soll laut Wappler dem Zielkonflikt der SRG zwischen Verantwortung für die Regionen und Effizienz Rechnung tragen.

Ein Teil der Strategie befasst sich mit der Entwicklung von Podcasts und anderen digitalen Projekten - beispielsweise Smart Speakers. Diese digitale Audioentwicklung soll in Zürich-Leutschenbach vorangetrieben werden, wie Wappler sagte. Dort befinde sich das Know how. Vorliegen soll die Strategie Ende September 2019.

Umzugspläne heftig kritisiert

Die Umzugspläne von SRF von Bern nach Zürich hatten in der Politik heftige Kritik ausgelöst. Der Nationalrat nahm mehrere Vorstösse für Gesetzesänderungen an, um Radio-Infosendungen schwergewichtig in Bern zu produzieren. Auch die Berner Politik forderte die SRG mehrfach vehement auf, den Umzug der Redaktionen zu stoppen.

Bekannt geworden waren die Umzugspläne vor gut einem Jahr, nach dem Nein zur No-Billag-Initiative im März 2018. Das Unternehmen kündigte damals ein Sparprogramm in der Höhe von rund 100 Millionen Franken an und einen Stellenabbau. Gründe waren die Plafonierung und Senkung der Empfangsgebühr und weniger Werbeeinnahmen.

Sparvorgabe bleibt

An der Vorgabe, am Standort Bern 3 Millionen Franken einzusparen, wird aber trotz neuer Pläne nicht gerüttelt. Die Chefredaktion Radio habe den Auftrag erhalten, für den Fehlbetrag, der durch die angepassten Pläne am Standort Bern entsteht, alternative Sparmassnahmen aufzuzeigen, heisst es in der Mitteilung von SRF.

SRF gab zudem bekannt, dass die Abteilung Programme in der heutigen Form nicht weitergeführt werde. Hintergrund seien Anpassungen der zu Zeiten der Konvergenz von Radio und Fernsehen aufgebauten Führungsstruktur, die nun in dieser Form nicht mehr gebraucht werde, sagte Wappler dazu. Die Leistungen der Abteilung Programm, etwa die zentrale Programmplanung, seien aber nach wie vor nötig.

Zuvor hatte SRF die Kündigung des Programmchefs und stellvertretenden SRF-Direktors Hansruedi Schoch per Ende August vermeldet. Schoch wird sich selbstständig machen und auf Mandatsbasis unter anderem für die interregionale Streaming-Plattform der SRG arbeiten, wie Wappler sagte.