Begrenzungsinitiative

Statt Drohbotschaften gibt es Ballons: der Kampf von Economiesuisse gegen die SVP-Initiative

Mit diesem Ballonplakat beginnt Economiesuisse am Montag den Abstimmungskampf zur Begrenzungsinitiative.

Mit diesem Ballonplakat beginnt Economiesuisse am Montag den Abstimmungskampf zur Begrenzungsinitiative.

Nach dem Misserfolg 2014 kämpft der Wirtschaftsdachverband mit neuen Sujets für die Bilateralen und gegen die Begrenzungsinitiative. Auf Drohbotschaften will Economiesuisse diesmal verzichten.

Ein Heissluftballon mit Schweizerkreuz und vier Personen fliegt über Zürich, Bern und Basel. Idylle pur - wenn da nur nicht eine Schere wäre. Sie ist mit dem Wort «Kündigungsinitiative» beschriftet – und droht den Ballon-Höhenflug mit einem einzigen Schnitt jäh zu beenden. «Nein zur radikalen Kündigungsinitiative», steht darunter in roten und blauen Lettern.

Mit diesem Plakatsujet steigt der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ab Montag in den grossen Bahnhöfen in den Abstimmungskampf gegen die Begrenzungsinitiative der SVP und der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns). Über die Initiative wird am 27. September abgestimmt.

Die Vorgabe: Die Kampagne soll den Höhenflug aufzeichnen

Wird hier mit heisser Luft gegen die Initiative gekämpft? Der Kampagnenleiter erklärt, was das Sujet aussagen soll: «Die rot-weissen Ballone symbolisieren, dass alle Abkommen der Bilateralen im Interesse der Schweiz sind», sagt Oliver Steimann. «Und die Schere zeigt, dass die Kündigungsinitiative das Ende aller aufgeführten Abkommen zur Folge hätte.»

Der Kampf der Bundesräte gegen die SVP-Initiative: 

Entwickelt hat das Sujet die Basler Agentur Valencia Kommunikation, eine der grössten Full-Service-Agenturen (Print, TV, Web, Social Media) der Schweiz. Sie setzte sich in einem Pitch von vier Agenturen durch. «Unsere Vorgabe an die Agentur war: Die Kampagne sollte die Erfolgsgeschichte der Bilateralen und den wirtschaftlichen Höhenflug seit 2000 aufzeigen», sagt Steimann. «Und sie sollte zeigen, dass die Initiative einen klaren Schnitt bedeuten würde.»

Die Plakate sind regional gestaltet. In Bern und Umgebung werden Plakate mit der Stadt Bern im Hintergrund gezeigt, im Raum Zürich und Basel jeweils Bilder der beiden Städte. In St. Gallen oder Luzern gibt es Plakate mit Bergen. «Wir haben in jedem Kanton einen Stützpunkt, um die Kampagne zu regionalisieren», sagt Steimann.

Auch Economiesuisse will wild plakatieren

Ähnlich wie die Initianten, die in allen 2202 Schweizer Gemeinden wilde Plakate planen, will auch Economiesuisse in möglichst vielen Gemeinden Plakate haben. «Dabei helfen uns auch die Ortsparteien aus unserer Allianz.»

Die Lehre aus dem Debakel 2014 - ein Kommentar zur Begrenzungsinitiative: 

Der Schlussspurt der Kampagne wird sich auf die grossen Städte und Agglomerationen fokussieren. Die Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative von 2014 habe gezeigt, sagt Steimann, «dass diese Regionen für den Abstimmungsausgang entscheidend sein können».

Drei Siege mit dem Apfelbaum-Sujet

An jenem 9. Februar 2014 war die Erfolgsserie von Economiesuisse gerissen. Dreimal in Serie hatte der Wirtschaftsverband ab 2005 bilaterale Abstimmungen mit einem Apfelbaum-Sujet gewonnen: 2005 sagte die Schweiz Ja zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf die zehn neuen EU-Staaten, 2006 zur Kohäsionsmilliarde und 2009 zur Ausweitung der Freizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien.

Ein Apfelbaum aus dem Abstimmungskampf von 2009: Links blühend und mit saftigen Äpfeln, rechts mit verdorrten Ästen.

Ein Apfelbaum aus dem Abstimmungskampf von 2009: Links blühend und mit saftigen Äpfeln, rechts mit verdorrten Ästen.

Entwickelt hatte das Plakat 2005 SP-Werber Hermann Strittmatter mit der Agentur GGK. Der Baum trug auf der einen Seite saftige rote Äpfel - und auf der anderen Seite war er verdorrt. 2014 war es noch stilisierter und zeigte einen scherenschnittartigen Apfelbaum aus dem Emmental.

2014 schlug die SVP Economiesuisse aber mit den eigenen Waffen: mit einem Apfelbaum, dessen Wurzeln die Schweiz umschlingen, nach dem Motto «Masslosigkeit». «Damit sorgte sie für Verwirrung», sagt Steimann. «Die Leute wussten nicht mehr, welches Plakat zu welchem Lager gehörte.»

2014 schlägt die SVP Economiesuisse mit den eigenen Waffen - mit einem Apfelbaum-Plakat.

2014 schlägt die SVP Economiesuisse mit den eigenen Waffen - mit einem Apfelbaum-Plakat.

Die Abkehr vom Apfelbaum und von Drohargumenten

Nach dem Ja vom 9. Februar verabschiedete sich Economiesuisse definitiv vom Apfelbaum – und damit «vom Schwarz-Weiss-Abstimmungskampf mit Drohargumenten wie Arbeitsplatzverlust», wie es Oliver Steimann umschreibt. «Wir entwickelten mit ‚stark+vernetzt’ eine bunte, vielfältige und langfristige Kampagne und ein positives Narrativ: Die Bilateralen sind eine Erfolgsgeschichte, die uns viele Freiheiten gibt.»

Autor

Othmar von Matt

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