Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Schweizerische Gesellschaft für Völkerstrafrecht (TRIAL) reichten in Lausanne eine Anzeige beim kantonalen Untersuchungsrichter ein. "Zum ersten Mal muss nun ein Schweizer Gericht zum Völkermord in Srebrenica Stellung beziehen", sagte Ruth-Gaby Vermot, GFbV-Präsidentin und ehemalige SP-Nationalrätin an einer Medienkonferenz.

Nach dem Ausrufen der Unabhängigkeit des Kosovos im Februar 2008 publizierte "La Nation" eine Serie von Artikeln über das "mediale Lynchen der Serben". Darin bezeichneten die Autoren laut den beiden Organisationen das Massaker in Srebrenica, bei dem über 8000 muslimische Männer und Knaben ermordet worden waren, als "Pseudo-Massaker".

Die beiden Männer hätten zudem die Gräueltaten in Konzentrationslagern in Frage gestellt, sowie Massenvergewaltigungen durch bosnische Serben und serbische Granatangriffe auf den Marktplatz von Sarajevo, hiess es weiter.

Die Strafanzeige ist eine Schweizer Premiere: Bis anhin hatten sich Schweizer Richter nämlich erst mit der Leugnung der Völkermorde an den Juden während des 2. Weltkrieges und an den Armeniern befassen müssen.

Herausgeberin der Zeitschrift "La Nation" ist die am rechten Rand angesiedelte Waadtländer Liga (Ligue Vaudoise), die sich für eine Stärkung der Waadtländer Identität einsetzt. "La Nation" hat eine Auflage von rund 4000 Exemplaren.