Der Auftritt scheint wie geplant: Eine Gruppe Chinesen posiert hinter einer Fahne mit der Aufschrift «Jeunesse». Dazu schön lächeln, winken, gute Laune verbreiten und Fotos knipsen. Als am Montag kurz nach 9.30 Uhr die ersten chinesischen Touristen beim Luzerner Inseli aus einem Reisecar stiegen, bestätigten sie gleich sämtliche Klischees.

Insgesamt tummelten sich heute 4000 Touristen aus China in der Stadt Luzern, heranchauffiert in 95 Cars. Die ganze Reisegruppe zählt 12000 Personen und ist auf Einladung von ihrem amerikanischen Arbeitgeber Jeunesse Global noch bis Ende nächster Woche in der ganzen Schweiz unterwegs.

Nach dem furiosen Start-Auftritt verlief die Ankunft der nachfolgenden Reisegruppen in Luzern weniger pompös: Aussteigen, Jacke anziehen, Smartphone zücken und in Richtung Seeufer laufen. Der kalte Wind beim Inseli hielt kaum jemanden vom Posieren und Fotografieren ab, sondern sorgte lediglich für zerzauste Frisuren auf den Erinnerungsfotos.

Posen für das perfekte Bild – trotz den windigen Verhältnissen am Luzerner Seebecken.

Posen für das perfekte Bild – trotz den windigen Verhältnissen am Luzerner Seebecken.

Viel Zeit zum Verweilen blieb den Touristen der ersten Welle sowieso nicht: Um 10 Uhr verliessen die ersten Schiffe vor dem KKL das Ufer. Reiseleiter mit gut sichtbaren, roten Flaggen sorgten dafür, dass niemand verloren ging oder gar das Schiff verpasste.

Übung geglückt

Direkt beim Schiffssteg machte sich Michel Scheurer, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee, ein Bild der Situation. «Für uns ist das nicht aussergewöhnlich. Am 1. August haben wir jeweils auch viele Passagiere auf einmal.» Entscheidend war laut Scheurer, dass die gesamte Koordination mit allen Beteiligten reibungslos ablief.

Einen reibungslosen Ablauf bestätige am Montagabend auch Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern: «Das Mobilitätskonzept hat funktioniert, der Normalverkehr in der Stadt wurde kaum zusätzlich belastet.» Die vorgebenen Ankunfts- und Abfahrtszeiten beim Inseli wurden eingehalten und die Schiffe fuhren planmässig.

«Es ist himmlisch»

Als die ersten Schiffe bereits dem Wellengang trotzten, kam die zweite Touristenwelle an. Für diese 2000 Personen begann der Tag in Luzern mit Sightseeing und Shopping.

Mit einer Person ins Gespräch zu kommen ist schwierig: Die meisten sprechen gar nicht oder nur schlecht englisch und zeigen sich zudem zurückhaltend, sobald es nicht um ein Erinnerungsfoto geht. Die Verantwortlichen der Stadt haben ein Auge darauf, dass die Touristen während ihrer Reise nicht zu stark gestört werden – dies sei vom Organisator so gewünscht.

Mit einer jungen Frau mit dem Namen Tanya Sun klappt es dann aber mit einer Unterhaltung. Sie antwortet auf die Frage wie es ihr hier gefällt fast schon überschwänglich:

Es sei eine ganz andere Atmosphäre in Luzern als in ihrer Heimat, in China. Dort seien die Menschen sehr gestresst, auf der Strasse fokussiere sich jeder auf sich selbst.

Tanya Sun mag die Schweiz, abgesehen vom Essen.

Tanya Sun mag die Schweiz, abgesehen vom Essen.

«In der Schweiz ist alles lockerer, einfacher. Nur das Essen ist nicht so nach meinem Geschmack», sagt Sun. Sie ist zum ersten Mal hier – zusammen mit ihren Arbeitskollegen, die etwas entfernt das Smartphone in die Luft halten und das Interview filmen. Der Tag in Luzern hat bei Chinesin Tanya Sun seine Wirkung nicht verfehlt: «Das nächste Mal komme ich mit meiner Familie nach Luzern.»

Chinesische Reisegruppe in Luzern eingetroffen

Chinesische Reisegruppe in Luzern eingetroffen

Seit Donnerstag reisen tausende Chinesen durch die Schweiz. Am Montag ist die Reisegruppe nun in Luzern eingetroffen.

Mehr Personal, mehr Sicherheitskräfte

Mittagszeit auf der anderen Seite der Seebrücke: Es dominiert auf den ersten Blick das übliche Tourismus-Geschäft. Der zweite Blick zeigt: Touristen mit roten Bändeln umgehängt und Reiseleiter mit roten Flaggen sind omnipräsent. Die Touristen tun, was alle Touristen in Luzern tun: Besuch im Souvenirshop, Schokolade kaufen, unzählige Fotos knipsen.

In der Altstadt hat man sich auf die riesige Reisegruppe vorbereitet. Roberto Casagrande, Geschäftsführer der gleichnamigen Souvenirshops, sagte in seinem Laden beim Schwanenplatz: «Ich habe alle Mitarbeitenden aufgeboten, die Chinesisch sprechen. Das sind über den ganzen Tag verteilt rund 35 Personen.» Bezüglich der Sicherheit überliess der Chef ebenfalls nichts dem Zufall:

Trotz stressiger Atmosphäre wirkte Casagrande optimistisch und sagte: «Das wird schon gut gehen.». Es ging gut und so blickt Mario Lütolf von der Stadt Luzern zuversichtlich dem 19./20. sowie dem Wochenende vom 24. bis 26. Mai entgegen. An diesen Tagen werden in Luzern pro Tag je 2300 respektive 1400 chinesische Touristen erwartet.

Essen und Show hinter geschlossenen Türen

Ab 16 Uhr wurde es in der Stadt wieder ruhiger. Die einzelnen Gruppen folgten der roten Flagge vom Reiseleiter zurück zum Inseli, wo VBL-Busse für den Transport zum Messegelände Allmend bereitstanden.

Imposant: Die 95 Cars vor der Bergkulisse auf der Luzerner Allmend.

Imposant: Die 95 Cars vor der Bergkulisse auf der Luzerner Allmend.

Am Abend findet dort im privaten Rahmen ein Galadinner inklusive Multimediashow zur Region statt. Ab ca. 22 Uhr geht es für die 4000 Touristen mit den 95 Cars zurück nach Basel oder Zürich. Wir sagen, Bye Bye!

4000 chinesische Touristen klappern Luzern ab

4000 chinesische Touristen klappern Luzern ab