Erst wenn der Schnee vollständig weggeräumt sei, bestehe Gewissheit, dass niemand verschüttet worden sei, teilte die Ausserrhoder Polizei am Freitagnachmittag mit. Nach wie vor seien keine Meldungen über vermisste Personen eingegangen. Die Arbeiten sollen fortgeführt werden, solange es die Wettersituation zulässt.

Bilder und Videoaufnahmen des verschütteten Hotel-Restaurants zeigen das Ausmass der Verwüstung. Meterhoch und mehrere Meter weit drangen die Schneemassen durch die berstenden Scheiben in die Gaststube des vor drei Jahren eröffneten Hotelneubaus ein. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", sagte Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntisbahn am Freitag an einer Medienkonferenz in der Nähe der Schwägalp.

Drei Personen wurden durch die riesigen Schneemassen, die am Donnerstag gegen 16.30 Uhr niedergingen, leicht verletzt. Sie konnten das Spital bereits wieder verlassen. Die Gäste des Hotels und ein Teil der Angestellten wurden am Donnerstag und Freitagvormittag ins Tal gebracht. Derzeit befinden sich noch einige Mitarbeitende auf der Schwägalp und helfen bei den Aufräumarbeiten. Das Gebiet ist aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Lawinengefahr auf Stufe 4

Die Lawinengefahr oberhalb der Schwägalp lag zum Zeitpunkt des Unfalls am Donnerstagnachmittag auf Stufe 4, wie Benjamin Zweifel, Lawinenprognostiker des Lawinenforschungsinstituts SLF, gegenüber Keystone-SDA sagte. Bei Stufe 4 seien grosse Spontanlawinen möglich, welche bis ins flache Gebiet vorstossen.

Wie ein Helikopterflug der Einsatzkräfte über das Gebiet vom Freitagmorgen zeigte, brach die Lawine an der nördlichen Steilwand des Säntis oberhalb der Schwägalp auf einer Höhe von rund 1900 Metern los. Die Schwägalp liegt auf 1350 Metern Höhe. Durch das starke Gefälle habe die Lawine sehr viel Kraft entwickelt und sei bis zum Hotel vorgedrungen.

Die Abrissstelle sei rund 300 Meter breit und 1,5 Meter hoch, schilderte Hanspeter Schoop von der Alpinen Rettung gegenüber Keystone-SDA.

Sicherheit der Einsatzkräfte

Die Sucharbeiten mit insgesamt 180 Rettern und Helfern, bei denen auch zwei Lawinensuchhunde eingesetzt wurden, mussten aus Sicherheitsgründen am Donnerstagabend um 19 Uhr eingestellt werden.

Nach einer Risikoanalyse durch einen Experten der Alpinen Rettung Schweiz konnte die Suche am Freitagmorgen wieder aufgenommen werden. Inzwischen wurde die Warnung auf die Stufe 3 "erheblich" gesenkt. Das ist die mittlere der fünf Gefahrenstufen.

Lawinen sehr selten

Lawinen seien auf der Schwägalp sehr selten, sagte Schoop. Gemäss der Schadenlawinen-Datenbank des SLF beschädigte eine Lawine im Jahr 1942 Teile die damaligen Talstation der Säntisbahn. Diese lag etwas entfernt vom Standort des neuen Hotels. Vor dem Bau des neuen Hotels, das der Säntisbahn gehört, sei eine Risiko-Analyse gemacht worden.

"Eine Lawine in diesem Ausmass war nicht voraussehbar", betonte Vattioni. Noch nie in der 84-jährigen Geschichte der Säntisbahn habe es so etwas gegeben. Selbst Fachleute seien überrascht. Lawinengefährlich sei eigentlich die Südflanke des Säntis auf der anderen Seite.

Auf dem Säntis befinde sich eine Messstelle des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Die Situation werde täglich beurteilt, sagte Vattioni. Zum Lawinenabgang werde es eine Untersuchung geben.

Weitere Schneefälle vorhergesagt

Im Verlauf des Tags fielen rund 30 Zentimeter Neuschnee. Weil ab Sonntag neue Schneefälle angekündigt sind, arbeiten die Räumungsequipen fieberhaft, um am Freitag und Samstag möglichst weit zu kommen.

Die durch die Lawine entstandenen Schäden lassen sich laut Vattioni noch nicht beziffern. Die verschütteten Gebäudeteile werden geräumt und danach provisorisch repariert. Das Hotel und die Säntis-Schwebebahn bleiben vorläufig geschlossen.