Politik

SVP-Frau zieht mit Sturmgewehr in den Wahlkampf – und gerät in einen Shitstorm

Wähler im Visier? Mit dieser Postkarte ging Cornelia Büchi (SVP) auf Stimmenfang.

Wähler im Visier? Mit dieser Postkarte ging Cornelia Büchi (SVP) auf Stimmenfang.

Die SVP brüstet sich gerne mit bewusster Skandalisierung. Doch Cornelia Büchi hat einfach nicht nachgedacht.

Cornelia Büchi ist 59 Jahre alt, seit über zehn Jahren politisiert sie im Gemeinderat von Uesslingen im Kanton Thurgau, ein beschaulicher Ort. Und bisher auch eine beschauliche Karriere, eine gefühlte Ewigkeit im Vorstand der SVP Thurgau, aber sonst politisch nicht viel. Doch seit knapp 24 Stunden kennt die halbe Schweiz Cornelia Büchi. Wegen einer Postkarte und zwei Plakaten vor einer Halle.

Die Sportschützin, die neu für den Thurgauer Kantonsrat kandidiert, hat zwei Plakate vor die Schiessanlage in Frauenfeld gestellt, auf denen sie mit Waffe posiert, weil sie dachte, dass Menschen, die gerne schiessen, manchmal auch gerne SVP wählen. Und sie hat ihren Sportschiess-Kollegen Postkarten zugeschickt, auf denen sie die Waffe lachend ins Bild hält. Ein bisschen sieht es so aus, als würde sie auf den Empfänger der Karte zielen und ihn auch erschiessen wollen. «Zielorientiert auch im Grossen Rat» lautet ihr Slogan, und die dazugehörige Waffe ist ein Sturmgewehr 57.

Sie wolle, so schrieb Büchi auf Facebook, «mal ein bisschen Abwechslung in der Wahlwerbung», ein Spass unter Gleichgesinnten.

Das Ganze war für einen kleinen Empfängerkreis gedacht. Doch diese Abwechslung endet nun anders, als Büchi dachte. Leute in den sozialen Medien ziehen plötzlich Parallelen zum Attentat von Zug – während einer Sitzung des Kantonsrates erschoss ein Attentäter 14 Politiker. Doch daran hatte Cornelia Büchi nicht gedacht.

Oder daran, dass diese Fotos nun, in Zeiten von Social Media und nationalen Kampagnen, innert Stunden zu einem kleinen Skandal werden. Und politische Gegner und Betroffene sich empören. Und viele finden: Frau Büchi, dieses Sujet ist einfach nur geschmacklos. In einer Welt, die politisch immer professionalisierter und manipulativer versucht, eine politische Person, eine Partei oder ein Thema medial durchorchestriert zu präsentieren, die meisten Klicks zählen, der grosse Wirbel, mutet es absurd an, dass eine Frau vom Land sich mit Waffe ablichten lässt und sich nicht viel dabei denkt, ausser, dass sie den Schiessfreunden und potenziellen Wählern in ihrem Umfeld eine kleine, «etwas andere» Art von Politikwerbung zuschickt.

Schaut man sich an, wie professionelle Politikkampagnen heutzutage laufen oder zu laufen haben, ist Cornelia Büchi der perfekte Skandal gelungen: SVP-Frau posiert mit Waffe für Wahlkampf. Alles in einen Topf geworfen, was provoziert. Nur: Die Skandalisierung, die man der SVP so gerne auf die Fahnen schreibt und sie sich gern auch selbst, wurde diesmal nicht politisch geschickt geplant. Cornelia Büchi war schlicht nicht klar, was sie da eigentlich tat.

Das bestätigt auch Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau, der nun, seit die Meldung ihre Kreise zieht, ständig ans Telefon rennt. «Immerhin ist die Aufmerksamkeit jetzt gross», sagt Zbinden, das sei grundsätzlich gut, aber auf welche Seite das nun ausschlage, sei schwer abzuschätzen. Büchi setze sich schon länger für den Schiesssport ein, das sei einfach Politik für bestimmte Wähler gewesen, «Schiessvereine hat ja hier fast jedes Dorf». Aber ein intendierter Skandal sei das nicht gewesen, «so schätze ich sie nicht ein». Aber ja, ein bisschen unglücklich sei das schon gelaufen, vor allem, dass jetzt die Zuger Parallele gezogen würde.

«Ich habe diese Empörung nicht gewollt»

Cornelia Büchi sagt selbst: «Ich verbinde Waffen mit Sport und sonst mit gar nichts.» Nie im Leben wäre sie auf die Idee gekommen, ihre Kampagne nun mit dem Attentat von Zug zu verbinden. «Ich habe diese Empörung nicht gewollt. Und es tut mir leid, wenn ich Gefühle verletzt habe.» Im Thurgau sei das Thema Zug einfach nicht so präsent gewesen. Für sie habe nur der Sport gezählt, keine Waffengewalt. Am 15. März sind Wahlen. Ein paar Leute, die Waffen gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt sind, gäbe es schon: Anträge von Privaten für einen Waffenkauf sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

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