Selbst SVP-Präsident Albert Rösti (50) kann sich, so sagt er, das plötzliche Aus nicht erklären. «Offenbar gibt es etwas Persönliches, was ihn bewog, nach wenigen Tagen im Büro wieder zu kündigen. Ich wurde von diesem Entscheid überrascht, war ich doch letzte Woche noch einen Tag lang mit ihm unterwegs. Aufgrund von mehreren Bewerbungsgesprächen musste er gewusst haben, was auf ihn zukommt.»

Die Rede ist vom Kurzzeit-Generalsekretär der SVP Schweiz, Dominique Steiner (47). Der Basler Jurist und Ex-Radiomoderator war erst am 22. Juni vom SVP-Vorstand gewählt worden. Mitte letzter Woche kündigte er seinen Posten schon wieder.

Mit Martullos Segen

Dabei war Steiner von einem potenten Parteigremium auf Herz und Nieren geprüft worden. «Der Parteileitungsausschuss wählte ihn einstimmig nach einer Vorauswahl aus vier Kandidaten durch Céline Amaudruz, Magdalena Martullo, Thomas Aeschi und mir», gibt Nationalrat Rösti zu Protokoll. Auch die Tochter des Partei-Patriarchen sah im Basler also den Richtigen. «Natürlich war seine Wahl auch ein Risiko, weil er Quereinsteiger ist und den Politbetrieb nicht kennt», sagt Rösti. «Aber auf der anderen Seite war es auch eine Chance, jemanden zu wählen, der von aussen kommt und eine gewisse Unabhängigkeit und frischen Wind bringt.» Rösti betont: «Politisch war er ganz klar auf der Parteilinie, das haben wir natürlich abgeklärt, er gab in allen Gesprächen gute und klare Antworten.»

Weiland bei der FDP

Ob der Basler, der lange für das US-Unternehmen Xerox arbeitete, die rechten SVP-Werte wirklich verinnerlicht hatte? In einem 1995 im «Schweizer Soldat» veröffentlichten Kurzporträt steht über den damaligen Jus-Studenten und Leutnant der Panzerjäger-Kompanie 22: «Er ist seit 1990 Mitglied und seit 1992 in der Drogenkommission der Basler FDP engagiert.»

Diese Kommission setzte sich, im Gegensatz zur Repressionspartei SVP, für die «legale Opiatabgabe» ein. Die vom Basler Anwalt und FDP-Politiker Luc Saner gegründete Kommission prägte die liberale Schweizer Drogenpolitik entscheidend mit. War der SVP Steiners FDP-Vergangenheit bekannt? «Ja, das war uns bewusst», sagt Albert Rösti. Steiner trat jedenfalls erst vor Kurzem der SVP bei. Dank dieser Parteizugehörigkeit wurde er zum nebenamtlichen Strafrichter am Baselbieter Kantonsgericht gewählt.

Gemäss Rösti machte Steiner «persönliche Gründe» für den Abgang geltend. Dass es zu Unstimmigkeiten kam, dementiert der Parteichef: «Ich habe im Generalsekretariat und in der Fraktion nachgefragt, es gab keinerlei Zusammenstösse mit ihm.» Steiner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Wahlen von 2019 nahen, und Rösti muss sich schon wieder auf die Suche nach einem Generalsekretär machen. Anfang Jahr wechselte Steiners Vorgänger Gabriel Lüchinger zu Verteidigungsminister Guy Parmelin.

«Natürlich bedauern wir diese Situation, zumal ein Anstellungsprozess immer auch mit Aufwand verbunden ist», sagt Rösti. Die Nachfolgesuche werde nun sofort gestartet. «Zeitlich unter Druck sind wir zum Glück nicht, weil Silvia Bär sich bereit erklärt hat, das Amt interimistisch zu führen. Aber definitiv übernehmen möchte sie es nicht.» Bär ist stellvertretende Generalsekretärin, sie gilt als graue Eminenz in der SVP-Zentrale und Vertrauensperson der Familie Blocher.