Tausende Fälle

SVP-Glarner einer von vielen: Anzeigen wegen Beschimpfungen nehmen massiv zu

Andreas Glarner ist auf Social Media aktiv und teilt dort auch aus, bekommt aber auch einiges zu hören.

Andreas Glarner ist auf Social Media aktiv und teilt dort auch aus, bekommt aber auch einiges zu hören.

Am Freitag machte der Aargauer SVP-Nationalrat publik, dass er drei Anzeigen wegen Beschimpfungen einreicht. Generell zeigt sich: Solche Anzeigen haben in den letzten Jahren massiv zugenommen.

«Dummes Nazischwein»: Das war eine jener Beschimpfungen auf Twitter, die für den Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner das Fass zum Überlaufen brachten. Obwohl er selbst regelmässig mit Aussagen aneckt, will er nun Anzeige gegen Unbekannt in drei Fällen einreichen

Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt: Er ist mit einer solchen Anzeige längst nicht allein. Und: Solche Anzeigen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. 2010 gab es 4996 Beschuldigte, fünf Jahre später bereits 7873. Das entspricht einer Zunahme von 58 Prozent. 

«Ein Grund sind sicher soziale Netzwerke und die Kommentarfunktion im Internet», sagt der Aargauer Strafrechtsprofessor Martin Killias (67) gegenüber «SonntagsBlick». Früher sei es schwer gewesen, eine Beleidigung nachzuweisen. «Wenn diese aber online verewigt ist, hat man mit einer Anzeige bessere Chancen.»

Immer mehr Minderjährige

Was die Zahlen des Bundes ausserdem zeigen: Schon die Kleinen schimpfen wie die Grossen. Allein im 2015 wurden 247 Kinder unter 15 Jahren verzeigt. Minderjährig waren insgesamt 594 Beschuldigte.

«Das Mobbing verschiebt sich zunehmend vom Klassenzimmer ins Internet», sagt Beat Zemp (61), Präsident des Lehrerverbands, zum «SonntagsBlick». Dort können beleidigende Kommentare nicht einfach gelöscht werden. «Und alle können zuschauen. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr.»

Bei massivem Cybermobbing sei eine Strafanzeige das richtige Mittel. Gerade Polizisten sind oft Opfer. «Der Respekt gegenüber Amtspersonen geht grundsätzlich zurück», sagt Reto Martinelli (39) vom Verband Schweizerischer Polizei-Beamter. «Am wichtigsten ist es sicher, ruhig zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen.» Danach liege es im Ermessen des Polizisten, ob er Anzeige erstatte oder nicht.

Das eine solche Beschimpfung richtig teuer werden kann, zeigt der Fall eines Aargauer Besitzers einer Dorfgarage: Er beschimpfte Polizisten mit «Schoofseckel» und «Bajass». Das zuständige Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 1500 Franken. Dazu kamen Gerichtskosten und Auslagen von 2800 Franken sowie das Anwaltshonorar. (pz)

Bajass und Schoofseckle

«Bajass und Schoofseckle»: Aargauer wegen Beschimpfungen verurteilt

Weil Polizisten auf seiner Tankstelle Autos kontrollieren und diese somit blockieren, rastet er aus. Heute musste der Garagenbesitzer vor Gericht erscheinen.

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