Talk Täglich

SVP-Politikerin Steinemann: «Wenn eine Frau am Arbeitsplatz belästigt wird, muss sie kündigen»

Barbara Steinmann im Talk zu Sexismus

Barbara Steinmann im Talk zu Sexismus

Wo werden die Grenzen gezogen zwischen einer sexuell motivierten Aussage, einem dummen Herrenwitz oder einem charmanten Kompliment? In der Sendung «TalkTäglich» diskutieren die Zürcher SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann und Tamara Funiciello, Präsidentin der Juso Schweiz, unter der Leitung von Moderator Markus Gilli.

Donald Trumps sexistische Äusserungen haben auch die Sexismus-Debatte in der Schweiz neu angeheizt. Unter dem Hashtag "SchweizerAufschrei" protestierten Frauen und berichteten auf Twitter von Erfahrungen mit Sexismus im Alltag. Auch Politikerinnen schliessen sich dem Protestzug an und verschaffen der Thematik zunehmende mediale Aufmerksamkeit.

Doch wo liegen die Unterschiede zwischen Sexismus, einem Herrenwitz und einem charmanten Kompliment? Das diskutierte Moderator Markus Gilli in der Sendung "Talktäglich" mit SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann und Tamara Funiciello, Präsidentin der Juso Schweiz. Mit einem Zitat von SP-Nationalrätin Mattea Meyer beginnt er die Diskussion: "Insbesondere von Männern aus dem rechten Lager bekomme ich ab und zu Kommentare zu hören wie: 'Heute bist du aber nett angezogen'." Sind solche Männer-Bemerkungen sexistisch?

"Ich finde das nette Komplimente"

Während die Präsidentin der Juso Schweiz überzeugt für ein "ganz klar" plädiert, ist ihre Kontrahentin Barbara Steinemann gegenteiliger Meinung. "Ich finde das ganz nette Komplimente." Was würden Frauen schliesslich nicht alles dafür tun, um Männern zu gefallen! Sie verstehe nicht, dass dies als sexistisch verurteilt werden könne, wenn Männer die Bemühung der Frauen anerkennen.

"Das Bundeshaus ist kein Ort von Sexismus", sagt sie in Anlehnung an Mattea Meyers Vorwurf. Hier würde eine Phantomdiskussion geführt, in der einseitig die Frau als Opfer und der Mann als Täter hingestellt wird. "Das ist einfach nicht der Fall - und das ist schon gar nicht in der Politik der Fall."

Funiciello versucht die Thematik differenzierter zu betrachten: "Es kommt immer auf den Kontext an, in dem solche Äusserungen fallengelassen werden", erklärt sie. Schliesslich sei es doch sehr unangenehm, innerhalb einer Machtstruktur auf das Äussere reduziert zu werden. "Genau in solchen Fällen werden diese Kommentare sexistisch." Aus dem privaten Umfeld würde sie gerne Komplimente annehmen, aber nicht in einem professionellen Rahmen.

"Der Frau bleibt nichts anderes übrig"

Man müsse aber auch zwischen einfachen Komplimenten und sexuellen Straftaten klar unterscheiden, schaltet sich Steinemann wieder ein. "Ich werde dann zur Feministin, wenn ich in den Sonntagszeitungen von Vergewaltigungen lese, aber ein Teil der Täter ohne Strafe davonkommt." Dafür brauche es schärfere Gesetze – in sexisisch geprägten Situationen könne sich die Frau jedoch selber zur Wehr setzen.

Hier greift Gilli ein und merkt an, dass es Frauen in einem Abhängigkeitsverhältnis Arbeitgeber-Arbeitnehmer nicht immer möglich sei, sich zu wehren und dass Sexismus aus diesem Grunde auch so weit verbreitet sei. "In solchen Situationen bleibt der Frau nichts anderes übrig, als dieses Abhängigkeitsverhältnis zu künden und einen neuen Arbeitgeber zu suchen", findet Steinemann und bringt damit Funiciello gegen sich auf. 

"Ihr sagt jetzt zusammengefasst: Wenn eine Frau belästigt wird am Arbeitsplatz, muss sie gehen. Sie als Opfer muss gehen. Haben wir nicht vorher von Opferschutz gesprochen? Ich finde das wahnsinnig widersprüchlich, was Sie hier gerade sagen", fährt sie die SVP-Politikerin an.

Ein Opfer müsse immer klar geschützt werden. Dabei sei es wichtig, nicht still zu bleiben und die Probleme im Privaten zu klären. "Der Hashtag zeigt, dass dies eine strukturelle Problematik ist und hier müssen wir ansetzen - nicht im Einzelnen. Mit dem Hashtag wehren wir uns."

Tamara Funiciello: Warum es einen Hashtag braucht:

Tamara Funicello über Sexismus, Hashtags und Aline Trede

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