Damit hatten die wenigsten gerechnet: Nach drei Jahren an der Spitze der Jungsozialisten Schweiz (Juso) gibt Tamara Funiciello das Präsidium der Jungpartei ab. Das gab sie an der Delegiertenversammlung in Aarau am Samstagnachmittag bekannt.

Sie habe viel erreicht in drei Jahren und darum sei jetzt ein guter Moment zurückzutreten und anderen Platz zu machen. "Leiser werde ich deshalb aber nicht. Ich habe gar keine Zeit, leiser zu werden!", sagt sie zur AZ.

Mit ihr ist bei den Nationalratswahlen im Herbst zu rechnen. Dort tritt sie mit guten Chancen auf der Frauenliste der SP Bern an.

Geliebt und gehasst

Funiciello hatte sich als Juso-Präsidentin rasch einen Namen gemacht und gehört mittlerweile zu den bekanntesten linken Politikerinnen der Schweiz. Die Bernerin verschaffte sich mit unkonventionellen Aktionen (zum Beispiel mit einer BH-Verbrennung als feministische Protestaktion) von Anfang an viel Aufmerksamkeit und setzte mit ihrer unverblümten, teils derben Sprache neue Akzente in der politischen Debatte (Trump sei ein „rassistischer oranger Trottel“, Kilchsperger ein „sexistisches Arschloch“).

Funiciello polarisiert wie kaum eine andere Politikerin in der Schweiz. Soviel Zuspruch sie bei Linken und vielen Jungen erhält, soviel Abneigung bis hin zu Hass zieht sie von politischen, meist anonymen Gegnern auf sich. Nach ihrer BH-Aktion erhielt sie Hunderte Schmähungen. Einen unrühmlichen Höhepunkt erreichten die Drohungen letzten Sommer, als Funiciello den Song «079» des Berner Duos Lo und Leduc als sexistisch bezeichnete. Funiciello musste sogar die Polizei einschalten.

Funiciello will in den Nationalrat und gibt JUSO-Präsidium auf

Was hat Tamara Funiciello als Chefin der Jungsozialisten erreicht?

    

Funiciello wollte sich jedoch nicht in die Opferrolle drängen lassen. Sie denke nicht daran, „die Fresse zu halten“, sagte sie damals. Es brauche einiges mehr „als ein paar Hundert Trolls mit schlechter Grammatikkenntnis und ein paar Drohungen um mich zum Schweigen zu bringen“.

Die 29-Jährige betont auf Nachfrage am Rande der Juso-Delegiertenversammlung, die vielen Aggressionen gegen ihre Person seien kein Grund für ihren Rücktritt als Juso-Präsidentin.

An der übernächsten Juso-DV im August wird Funiciellos Nachfolger oder Nachfolgerin gewählt. 

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