Therwil

Tempo 30 nur im Wohngebiet

Für das Therwiler Gewerbegebiet lehnt die Gemeindeversammlung Tempo 30 ganz knapp ab.

Tempo 30

Für das Therwiler Gewerbegebiet lehnt die Gemeindeversammlung Tempo 30 ganz knapp ab.

Therwil führt eine Nachtparkgebühr und Tempo 30 im Wohngebiet ein. Die Autothemen polarisieren.

Andreas Maurer

Fährt ein Auto mit 50 Stundenkilometern gegen einen Fussgänger, stirbt dieser mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent. Fährt das Auto nur 30, beträgt die Wahrscheinlichkeit nur noch 10 Prozent. Mit diesen Zahlen versuchte der Therwiler Gemeinderat Gregor Gschwind die Gemeindeversammlung für Tempo 30 auf allen Gemeindestrassen in den Wohnquartieren zu überzeugen. Er war erfolgreich: Mit 83 zu 14 Stimmen stimmten die Therwiler zu. Von den 14-Nein-Sagern hatte sich in der langen Diskussion zuvor niemand gemeldet. Sogar SVP-Präsident Hans-Jürgen Ringgenberg betonte, dass seine Partei Tempo 30 grundsätzlich unterstützt.

Knapp die Hälfte der Anwesenden forderte mehr: Auch im Gewerbegebiet solle Tempo 30 gelten. Gemeindepräsident Heiner Scherrer war dagegen: «Lastwagenfahrer hätten Mühe, die Hindernisse zu umfahren.» Tempo 30 ohne bauliche Massnahmen findet er nicht sinnvoll. Die Gemeindeversammlung unterstützte ihn knapp mit 50 zu 45 Stimmen bei neun Enthaltungen. Somit gilt Tempo 30 nur für das Wohn-, nicht aber für das Gewerbegebiet.

Angst vor zuviel Schwellen

Für lange Diskussionen sorgten bauliche Massnahmen wie Schwellen. Diese sollen mit der Signalisation 386 000 Franken kosten. Gegen Schwellen wurden die unterschiedlichsten Argumente genannt: Sie würden die Verkehrssicherheit gefährden, Krankenwagen behindern und für mehr Abgase sorgen, weil Rowdys nach jeder Schwelle aufs Gaspedal treten würden. Der Gemeinderat versprach, so wenige Schwellen wie möglich einzusetzen. Die Diskussion wurde vertagt: In jedem Quartier wird zu den Tempo-30-Massnahmen eine Vernehmlassung geführt.

Heiss umkämpft war auch die Nachtparkgebühr. Wer sein Auto nachts jeweils auf der Strasse parkiert, bezahlt dafür im neuen Jahr 40 Franken pro Monat. «Das ist eine Sauerei und eine versteckte Steuererhöhung», wetterte ein Einwohner. Er verwies auf das «grüne» Basel, wo diese Gebühr monatlich nur 10 Franken kostet. Im Baselbiet haben bereits fünf Gemeinden eine «Laternengebühr» eingeführt. In Muttenz und Pratteln kostet sie 40, in Birsfelden und Liestal 30 und in Sissach 20 Franken.

40 Franken für Nachtparker

«Die Nachtparkgebühr muss spürbar etwas kosten, damit sie auch eine Lenkungswirkung erzielt», betonte Gemeinderat Reto Wolf. SVP-Chef Ringgenberg versuchte sie erfolglos zu halbieren: «40 Franken sind sozial ungerecht.» Wer sich ein Auto leiste, könne auch diese Gebühr bezahlen, widersprach Gemeindepräsident Scherrer. Die Mehrheit dachte ähnlich: Mit 78 gegen 26 Stimmen wurde die Gebühr genehmigt. Derzeit sind in Therwil nachts etwa 400 Autos auf öffentlichem Grund parkiert. Dank der Nachtparkgebühr sollen davon etwa 300 in private Garagen verschwinden.

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