Am Montagabend raste ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Das Muster der Tat erinnert an den Anschlag in Nizza im Juli, bei dem 86 Menschen ums Leben kamen und unzählige verletzt wurden. Auch bei der Tragödie vom deutschen Weihnachtsmarkt handelte es sich um eine geplante Attacke, der Islamische Staat bekannte sich am Dienstag zur Tat. Der Attentäter ist weiterhin flüchtig.

Obwohl US-Geheimdienste bereits im Herbst vor Anschlägen auf europäische Weihnachtsmärkte gewarnt hatten, konnte derjenige vom Montagabend nicht verhindert werden. Ein Versagen der Behörden? 

Sicherheits- und Terrorismusexperte Peter Regli, der von 1991 bis 1999 als Chef des Schweizerischen Nachrichtendienstes tätig war, winkt ab. «Wir haben es hier mit Einzeltätern zu tun, sogenannten einsamen Wölfen, die ihre Absichten im Kopf haben – und was jemand im Kopf hat, kann man mit modernsten technischen Mitteln nicht herausfinden», erklärt Regli im Gespräch mit «Talk Täglich»-Moderator Hugo Bigi.

Die Warnung der Geheimdienste hätte die kritischen Fragen – wo, wann und mit welchen Mitteln werden diese Anschläge verübt? – schliesslich nicht beantwortet. «Diese Antworten müsste der Nachrichtendienst liefern und bei Einzeltätern ist dies praktisch nicht möglich – ausser der Kommissar Zufall hilft mit.» Demnach kann eine solche Tat nach Einschätzung Reglis auch nicht verhindert werden.

«Der ewige Frieden ist weit weg»

Auch dieses Attentat beweist: Der Terror hat Europa längst erreicht. «Wie lange noch, bis die Schweiz zur Zielscheibe wird?», will Bigi vom Sicherheitsexperten wissen. Dieser verweist in seiner Antwort auf den heutigen Chef des Nachrichtendienstes, Bundesrat Guy Parmelin, welcher zwar von mehr Spannungen spricht, aber laut dem keine Hinweise existieren, die auf eine reelle Gefahr hindeuten würden.

«Hier kommen wir wieder auf den einsamen Wolf zurück», so Regli. Denn auch in der Schweiz gebe es Personen – wenn auch wenige – welche aus dem Krieg zurückkehren und diesen hier weiterführen wollen.

An dieser Stelle betont Regli die Wichtigkeit der Polizeikorps, welche als Sensoren im Land tätig seien – und so die Ohren zuhanden von Bundesbern offen halten können. Doch sieht er einen potenziellen Beitrag zur Sicherheit des Landes auch anderswo: «Ein wichtiger Punkt scheint mir zu sein, dass jetzt die muslimische Bevölkerung in der Schweiz die Ohren ebenfalls auftun muss und Anzeichen an die Behören meldet.»

Für die Zukunft sieht Regli Europa vor grosse Herausforderungen gestellt. So lasse der Salafismus – «diese totalitäre, menschenverachtende, frauenverachtende Ideologie» – kombiniert mit Terrorismus wenig positive Gedanken zu. «Der ewige Frieden ist weit weg.»

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Todesfahrt in Berlin

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