Die beiden jungen Muslime werden schon seit Monaten vom Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) beraten und sind bei ihren Gesprächen mit der Therwiler Sekundarschule von einer Vertreterin des umstrittenen Zentralrats begleitet worden.

Doch nicht nur das: Wie «Blick online» gestern Abend berichtete, kam das Angebot, sich begleiten zu lassen, von der Schule selbst. Der «Blick» zitiert in diesem Zusammenhang Deborah Murith, die Sprecherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion: «Die Schule hat der Familie angeboten, dass sie eine Vertrauensperson mitnehmen kann.»

Der Therwiler Sekundarschulrektor Jürg Lauener bestätigt gegenüber der bz diese Darstellung. Eine Begleitung durch Fremdpersonen sei zwar bei Elterngesprächen «unüblich», doch komme sie auch sonst immer wieder mal vor. Konrektor Michael Horn habe angesichts der ausserordentlichen Umstände der Händedruck-Verweigerung der Familie dieses Angebot unterbreitet. Allerdings habe die Schule im Vorfeld des Elterngesprächs natürlich nicht wissen können, dass sich die Familie des Imams ausgerechnet beim Islamischen Zentralrat Schweiz Unterstützung holt, betont Lauener.

Auch der TV-Journalistin schüttelt er nicht die Hand: Das Interview mit IZRS-Präsident Nicolas Blancho zum Thema Händeschütteln.

Auch der TV-Journalistin schüttelt er nicht die Hand: Das Interview mit IZRS-Präsident Nicolas Blancho zum Thema Händeschütteln.

(Tele Bärn, 5.4.2016)

PR-Chefin als Vertreterin

Beim Elterngespräch selbst habe sich dann Janina Rashidi als Vertreterin des IZRS vorgestellt und im anschliessenden Gespräch vor allem den religiösen Aspekt der Händedruck-Verweigerung erläutert. «Sie hat die Haltung der beiden Schüler resolut verteidigt, ist dabei aber nicht aggressiv oder ausfällig geworden», erinnert sich Lauener an Rashidi, die bisher als PR-Beraterin und Medienverantwortliche des Zentralrats in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Seitens der Schule nahm Lauener gemeinsam mit seinem Konrektor Horn, den Fachlehrern der beiden Schüler und einem von der Schule beigezogenen Dolmetscher teil. Lauener sagt: «Es war eine ziemlich grosse Runde.»

Dass Rashidi im Namen des in der Schweiz höchst umstrittenen und vom Staatsschutz überwachten Zentralrats sprach, habe die Therwiler Schulleitung und Lehrerschaft damals nicht stutzig gemacht. Dazu Rektor Jürg Lauener (61): «Im Nachhinein verstehen wir aber die Bedenken, die in diesem Zusammenhang in den Medien geäussert worden sind.»

Umstrittener Zentralrat

Der Islamische Zentralrat bezeichnet sich selbst als grösste islamische Organisation der Schweiz mit über 2000 Aktivmitgliedern und begleitet unter anderem Personen, die zum Islam konvertieren möchten. In der öffentlichen Debatte werden seine beiden Wortführer, Präsident Nicolas Blancho und Kommunikationschef Abdel Azziz Qaasim Illi, immer wieder wegen angeblich radikaler Äusserungen und der offensichtlichen Nähe zu fundamentalistischen Positionen kritisiert und angefeindet.

Die öffentlichen Auftritte des IZRS sind insbesondere den Vertretern eines gemässigten Islams ein Dorn im Auge. Im Zusammenhang mit der Vertretung der beiden muslimischen Baselbieter Schüler zitierte der «Blick» gestern Valentina Smajli, die Vizepräsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam. Der Zentralrat stürze sich systematisch auf Probleme und schüre sie sogar: «Er unterstützt politische Forderungen von Fundamentalisten, um sich als Helfer und Bruder einzubringen und seine Vorstellung einer islamischen Gesellschaft durchzusetzen.»

«Ich denke nicht, dass wir da klein beigegeben haben»: Jürg Lauener, Rektor der Sekundarschule Therwil

«Ich denke nicht, dass wir da klein beigegeben haben»: Jürg Lauener, Rektor der Sekundarschule Therwil

(Tele Züri, 4.4.2016)

Fatwa publiziert

Zum Fall der verweigerten Begrüssung von weiblichen Lehrerinnen per Händedruck hat der Islamische Zentralrat anfangs vergangener Woche eine Stellungnahme, eine sogenannte Fatwa publiziert. In ihren sonstigen Publikationen und öffentlichen Stellungnahmen legen IZRS-Vertreter stets besonderen Wert darauf, sich von Gewaltakten und Terrorismus zu distanzieren.