Polit-Posse
Tierschützer kritisieren mangelndes Lobbying und greifen Dachverband an

Die Alliance Animale Suisse kritisiert, dass der Schweizer Tierschutz in Bundesbern zu wenig Einfluss nehme – dieser reagiert erbost auf den Frontalangriff.

Dennis Bühler
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Der Tierschutz geniesst unter der Bundeshauskuppel aktuell tatsächlich weniger Rückhalt als in der Bevölkerung, wie es die Alliance Animale Suisse gestern vor den Medien in Bern beklagte. (Archivbild)

Der Tierschutz geniesst unter der Bundeshauskuppel aktuell tatsächlich weniger Rückhalt als in der Bevölkerung, wie es die Alliance Animale Suisse gestern vor den Medien in Bern beklagte. (Archivbild)

/KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Tiere haben es in der Politik schwer: Weder sind sie stimmberechtigt, noch hat sich eine Partei ihre Anliegen prominent auf die Fahne geschrieben.

In den letzten Monaten sind denn auch mehrere Entscheidungen gefällt worden, die weniger das Tierwohl berücksichtigen als menschliche Partikularinteressen: So hat das Parlament im Juni einer Lockerung des Schwanenschutzes zugestimmt, um einem Nidwaldner Bauern einen Gefallen zu erweisen.

Zur Regulierung des Bestandes von heute rund 5000 Schwänen sollen während der Brutzeit Schwaneneier angestochen, geschüttelt oder durch Gipsattrappen ersetzt – und die weiss gefiederten Vögel im Extremfall gar abgeschossen werden dürfen.

Bereits tot ist seit gestern M68, der in den letzten zwei Monaten im Kanton Uri rund
50 Schafe gerissen hatte – der 21. tote Wolf seit der Rückkehr des Wildtieres in die Schweiz vor 18 Jahren.

Einem Walliser Artgenossen könnte es gleich ergehen: Das Gebiet, in dem er geschossen werden darf, ist gestern von den Behörden erweitert worden.

Überhaupt soll es Isegrim an den Kragen gehen. Die Umweltkommission empfiehlt dem Nationalrat, im September die Walliser Standesinitiative «Wolf. Fertig lustig!» anzunehmen und so die Wolfsjagd wieder generell zu erlauben. Dass hierfür ein Artenschutzabkommen gekündigt werden muss – seis drum.

Kurzum: Der Tierschutz geniesst unter der Bundeshauskuppel aktuell tatsächlich weniger Rückhalt als in der Bevölkerung, wie es die Alliance Animale Suisse gestern vor den Medien in Bern beklagte.

Wer allerdings glaubte, in so einer Situation zögen Tierschützer am selben Strick, um ihr Anliegen mit mehr Durchschlagskraft zu vertreten, sah sich rasch getäuscht. Die Allianz, der die vier Tierschutzorganisationen «Animal Trust», «Vier Pfoten», «Wildtierschutz Schweiz» und «Stiftung für das Tier im Recht» angehören, griff den Schweizer Tierschutz (STS) frontal an.

Der Dachverband führe ein Eigenleben und verweigere sich der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, kritisierte Präsidentin Katharina Büttiker. «Noch schlimmer aber: Der STS versagt beim politischen Lobbying und schafft es nicht, in Bundesbern Einfluss zu nehmen.»

Der attackierte Verband weist den Vorwurf zurück. Man kooperiere durchaus mit anderen Organisationen, sagt STS-Präsident Heinz Lienhard. «Aber wir nehmen uns das Recht heraus, selbst zu entscheiden, mit wem wir zusammenarbeiten und mit wem nicht.»

Der Vorwurf, man lobbyiere ungenügend, sei absurd – regelmässig etwa initiiere man Vorstösse, die dann von Parlamentariern in den politischen Prozess eingebracht würden. Der Alliance Animal Suisse hingegen sei es in den zwei Jahren ihres Bestehens nicht gelungen, Bedeutung zu erlangen.

Angesichts dieser Posse möchte man Tierschützern hüben wie drüben in Erinnerung rufen: Derlei Gezänke, das an das Gekläffe von Chihuahuas erinnert, dient keinem Tier. Es wirft bloss ein schlechtes Licht auf die Menschen.