Interview

Tourismus-Ikone Hans Peter Danuser: «Bleibt zu Hause! Von Bergamo sind es nur 90 Kilometer bis St. Moritz.»

Der ehemalige Kurdirektor von St. Moritz, Hans Peter Danuser, rät schweren Herzens von Reisen nach Graubünden oder ins Tessin ab.

Der ehemalige Kurdirektor von St. Moritz, Hans Peter Danuser, rät schweren Herzens von Reisen nach Graubünden oder ins Tessin ab.

Er war 30 Jahre Kur-Direktor von Sankt Moritz. Zur Zeit ist seine Familie in Italien blockiert. Nun hofft Hans Peter Danuser, 72, auf nachsichtige Zöllner.

Es ist Zufall, dass wir Hans Peter Danuser, 72, in seinem Haus in St. Moritz erreichen. Eigentlich lebt er in diesen Tagen auf einer Halbinsel auf dem Comersee. In jenem Norditalien also, dass besonders schwer unter der Corona-Pandemie leidet und darum sehr strickte Massnahmen erlassen hat.

Nur um sein Auto aus der Garage zu holen, wo es wegen eines Defekts repariert wurde, reiste er in die Schweiz. An der Grenze warnte ihn ein Zöllner, es sei nicht garantiert, dass er wieder nach Italien einreisen kann.

Herr Danuser, Was halten Sie vom Aufruf, dass man nicht ins Ferienhäuschen fahren darf?

Hans Peter Danuser: Es ist unglaublich. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass wir den Unterländern zurufen: kommt nicht hoch! Aber nun ist es leider nötig. Man muss sich vorstellen, was in Bergamo los ist. Tausende Tote. Und Bergamo liegt Luftlinie nur 90 Kilometer von St. Moritz entfernt. Wir müssen das Corona-Virus absolut ernst nehmen!

Aber wenn man nun ein Ferienhäuschen hat und mit dem Auto kommt und vielleicht einmal einen Spaziergang macht, dann kann das doch nicht so schlimm sein.

Es tut mir im Herzen weh. Ferienhäuschenbesitzer sind unsere treuesten Kunden. Aber es ist nun wirklich nötig, das sie zu Hause bleiben. Wir können die Spitäler nicht dem Risiko von zusätzlicher Belastung aussetzen. Wenn wir Glück haben passiert nichts, aber wir wollen es nicht riskieren.

Haben Sie während ihrer Zeit als Kurdirektor eine ähnliche Situation erlebt?

Nein, so etwas gab es noch nie. Und ich hoffe es wird auch eine Ausnahme bleiben. Vielleicht wird das Virus für immer mit der Schnapszahl 2020 verbunden sein.

Wie erleben Sie persönlich die Corona-Krise?

Ich lebe mit meiner Frau und meinem 5-jährigen Sohn auf einer Halbinsel im Comersee. Dort herrscht Ausgangssperre. Wenn wir einkaufen gehen wollen, brauchen wir ein Passierschein, den man im Internet herunterladen und dann ausdrucken muss. Und es gibt Kontrollen. Polizisten verlangen nach dem Kassa-Bon, wenn man als Begründung Einkauf angegeben hat.

Jetzt sind Sie aber in St. Moritz und holen ihr Auto aus der Garage. Lässt man sie überhaupt wieder zurück?

Ich hoffe es doch sehr. Die Zöllner sind sehr streng, sowohl die Italiener als auch die Schweizer. Wenn ich aber sage, dass meine Familie dort lebt, haben sie Verständnis und lassen mich durch.

Auch in St. Moritz breitete sich das Virus aus, vor allem unter italienischen Touristen, wie es in einem Bericht heisst. Hat man zu lange gewartet, bis man die Lifte abgestellt hat?

Nein, gerade im Vergleich zu Österreich hat man hier schnell reagiert. Zuerst fuhren die Gondeln nur noch halb voll, dann wurde die ganze Saison beendet. Ich finde allgemein, dass die Behörden sehr professionell auf die Krise reagieren. Sowohl in der Schweiz als auch in Italien.

Was ist Ihre Botschaft an die Unterländer in dieser Situation?

Bleiben Sie zu Hause und hoffen sie auf bessere Zeiten!

Meistgesehen

Artboard 1