Unternehmen in Schieflage

Trotz 100-Millionen-Auftrag: Munitionsfabrik Saltech sucht Investor

Produktionsfabrik in Schieflage: Sollte die Munition nicht geliefert werden können, würde der Bund kein Geld verlieren.

Produktionsfabrik in Schieflage: Sollte die Munition nicht geliefert werden können, würde der Bund kein Geld verlieren.

Die Solothurner Saltech, die für 100 Millionen Franken Panzer-Sprengpatronen für den Bund produziert, ist weiter in Schieflage.

Der Artikel jährt sich dieser Tage. Am 29. Januar 2019 titelte diese Zeitung: «Bund erteilt 100-Millionen-Auftrag an kriselnde Munitionsfabrik.»

Es ging um die Saltech AG mit Sitz im solothurnischen Däniken. Das Rüstungsprogramm 2017 des damals noch von Guy Parmelin geführten Verteidigungsdepartements enthielt einen riesigen Auftrag für Maschinengewehr-Munition des Kalibers 12,7 Millimeter. In der im Februar 2017 veröffentlichten Armeebotschaft, zu der auch das Rüstungsprogramm gehörte, stand zwar der exakte Preis der Munition: 109,4 Millionen Franken. Gleichzeitig stand aber dort: «Lieferant noch offen».

Erst später stellte sich heraus, welchem Lieferanten das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) den Auftrag zugeschlagen hatte: Der Solothurner Saltech AG. Sie gehört Andreas Stauffer, einem ehemaligen langjährigen Mitarbeiter von Armasuisse. Dieser war Bürokollege des heutigen Armasuisse-Chefs Martin Sonderegger. Sonderegger trat, wie er später auf Anfrage angab, bei der Auftragsvergabe in den Ausstand.

Beim Auftrag ging es um die Lieferung von «Panzer-Sprengpatronen 92» und «Panzer-Sprengpatronen 93 Leuchtspur». Letztere, so stand in der Armeebotschaft vom Februar 2017, «dienen dazu, bei Feuersalven die Trefferlage besser beurteilen zu können».

Nachlassstundung bis April verlängert

Was die Herstellerfirma Saltech betrifft, ist die Trefferlage nicht so klar. Sicher ist nur, dass das Unternehmen in Schieflage ist. Anfang Dezember 2018 bewilligte das Amtsgericht von Olten-­Gösgen die provisorische Nachlassstundung. Im März 2019 ­genehmigte das Gericht die ­definitive Nachlassstundung bis im Oktober 2019, was heisst, dass das Unternehmen in dieser Zeit Gläubigerschutz genoss.

Mit dem Ziel, die Liquiditätsprobleme zwischenzeitlich zu lösen. Was aber offensichtlich nicht gelang. Im Oktober 2019 wurde die Nachlassstundung um weitere 6 Monate ver­längert, sie läuft jetzt bis am 4. April 2020.

Die Probleme bei Saltech sind also offensichtlich nach wie vor nicht gelöst. Weder Sachwalter Rothenbühler, der auch als Liquidator der Pleite-Flotte von Reeder Hansjürg Grunder amtet, noch die Saltech AG reagierten dieser Tage zwar auf Anfragen zur Sache.

Recherchen bei Gläubigern der Saltech bringen aber etwas mehr Klarheit. Demnach soll an einer Informationsversammlung für die Gläubiger Ende 2019 von offenen Forderungen von rund 49 Millionen Franken die Rede gewesen sein.

Und davon, dass Saltech auf der Suche nach einem Investor sei. Diese Suche solle ohne Druck geführt werden können, daher die Verlängerung der Nachlassstundung.

Verkaufszahlen brachen 2016 um 50 Prozent ein

Noch im April 2019 sagte der als Sachwalter eingesetzte Berner Anwalt Fritz Rothenbühler der «Solothurner Zeitung», die Situation der Firma habe stabilisiert werden können. Er gab an, Saltech sei aus zwei Gründen in Liquiditätsprobleme geraten: Weil bei der Abnahme eines Produktes technische Probleme auftraten und weil ein französisches Unternehmen, bei dem Saltech Maschinen bestellt hatte, in Insolvenz geraten sei.

Es dürfte sich dabei um die Elsässer Traditionsfirma Manurhin handeln, die Maschinen zur Herstellung von Patronenhülsen fabriziert. Ende 2014 oder Anfang 2015 hatte sich Saltech-Inhaber Stauffer am Kapital von Manurhin beteiligt. Das sagte Anfang 2015 Manurhin-Präsident Rémy Thannberger in einem Interview mit der Zeitung «L’Alsace». Aber Manurhins Verkaufszahlen brachen 2016 um 50 Prozent ein. Seit Juni 2017 stand die Firma unter Gläubigerschutz. Wie jetzt die Saltech.

Matthias Suter (FDP), Gemeindepräsident von Däniken, Standortgemeinde von Saltech, sagt auf Anfrage, er habe einen «sehr guten Austausch» mit Firmenbesitzer Stauffer. Ob die Firma einen Investor suche, das wisse er aber nicht. Klar sei indessen: «Die Saltech muss weiterexistieren, das ist unser Ziel. Als Standortgemeinde wollen wir, dass es der Firma gut geht.» Er weist darauf hin, dass Saltech aufgeteilt auf die Gemeinden Däniken und Dulliken über 40 Arbeitsplätze stellt.

Armasuisse: Saltech lieferte bisher vertragsgemäss

Der 109-Millionen-Auftrag für Panzermunition des Bundes ist noch am Laufen. Bei Armasuisse heisst es auf Anfrage, es bestehe keine Gefahr, dass der Bund Geld verliere. Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert: «Je nach Zeitpunkt eines Konkurses der Firma könnten allenfalls nicht mehr alle geplanten Lose produziert werden.

Der Bund würde dabei kein Geld verlieren.» Bereits früher gab Armasuisse an, die getätigten Anzahlungen des Bundes seien durch Bankgarantien abgesichert. Bisher, so Sievert, habe Saltech sämtliche Munition «vertragsgemäss geliefert».

Branchenkenner glauben, es werde schwierig für Saltech, einen westlichen Investor zu finden. Der bundeseigene Rüstungsbetrieb Ruag jedenfalls kommt nicht in Frage, er sucht bekanntlich ebenfalls einen Käufer für seine Munitions­fabrik Ammotec.

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