Flucht in die Berge

Trotz verschärfter Massnahmen: Um was uns unsere Nachbarn immer noch beneiden

Um dem Corona-Blues zu entfliehen, reisen viele in die Berge. Dass man überhaupt noch in die Berge und zum Skifahren darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Im Vergleich zu den Nachbarländern ist in der Schweiz noch sehr viel möglich.

Museum zu, Fitnesszentrum zu, Beizen schon lange zu. Und ab Montag schliessen nun in allen Kantonen auch noch die meisten Läden mit nicht lebensnotwendigen Waren. (Ausnahmen gibt es für Apotheken, Optiker, Baumärkte, Eisenwarenläden, Tankstellen und Blumenläden.)

Damit kommt es zur bemerkenswerten Konstellation, dass Skilifte und Schlittelpisten zu den wenigen noch offenen Freizeitaktivitäten gehören. Bundesrat Alain Berset bestätigte diese Tatsache auf kritische Nachfrage einer Journalistin an der Pressekonferenz. Er sagte:

Er verwies zudem auf Schutzkonzepte in den Bergbahnen und geschlossenen Restaurants.

Ob mit oder ohne Ski und Snowboards: Berge, Wälder und Aussichtspunkte entwickelten sich in den letzten Tagen zu Magneten für Unterländer. Sie fliehen vor dem Coronablues oder schlicht vor dem Hochnebel. Die sozialen Medien sind voll von Posts aus dem Schnee. Schlagwort Winterwunderland.

Zum Beispiel der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Er teilte ein Bild von einem verschneiten Waldrand:

Und seine Parteikollegin Christa Markwalder teilte vor ein paar Tagen ein Selfie vom Skilift in Heinzenberg GR mit der Botschaft: «Skifahren mit Schutzkonzept - es funktioniert!»

Immerhin auf einen Hügel in Sissach stieg die Baselbieter Grünen-Ständerätin Maya Graf:

Auch die Zürcher SP-Regierungsräte Jacquelin Fehr zog es in den Schnee. Sie teilte auf Twitter vom Sihlsee im Kanton Schwyz:

Bei schönem Wetter über dem Nebeldeckel waren die Postautos gut gefüllt. Ein Sprecher von Postauto sagt:

Allerdings teilt Postauto auch mit, dass sie generell weniger Menschen transportieren als in anderen Wintern. Auf Linien mit einem hohen touristischen Anteil sei die Nachfrage in den letzten Wochen (Feiertage und Wochenende) deutlich unter dem Vorjahr. Die Postauto-Betriebsleiter gehen davon aus, dass sie 30 bis 40 Prozent weniger Fahrgäste hatten.

In der Schweiz ist noch viel mehr erlaubt, als in Deutschland oder Österreich

Dass man überhaupt noch in die Berge und zum Skifahren darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Das zeigt ein Blick auf die Regeln im Nachbarland Deutschland. Im Bundesland Baden-Württemberg gilt eine Ausgangsbeschränkung. Der Aufenthalt ausserhalb der eigenen Wohnung ist grundsätzlich nur «aus triftigen Gründen erlaubt». Bewegung an der frischen Luft oder Sport ist nur zwischen morgens um 5 Uhr und abends um 20 Uhr erlaubt. Zudem darf man nur mit einer Person, die nicht zum gleichen Haushalt gehört, unterwegs sein.

Winterwandern mit mehreren Freunden liegt also nicht drin. Hotels dürfen zudem keine Touristen beherbergen.

Die Bundesregierung hat zusammen mit den Bundesländern ein Verbot von Ausflügen von mehr als 15 Kilometern bei hohen Infektionszahlen (200 pro 100'000 Menschen innert einer Woche) erlassen. In Baden-Württemberg gilt sie zur Zeit aber nicht. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 129.

Zum Vergleich: die Schweiz verzeichnete in den letzten 7 Tagen 226 Infektionen pro 100 000 Einwohnern. Die Bewegungsfreiheit ist nicht eingeschränkt und Treffen mit insgesamt fünf Personen sind noch möglich. Der Bund empfiehlt lediglich, dass Treffen sich auf zwei Haushalte beschränken.

In Österreich laufen die Skilifte – aber mit Beschränkungen

In Österreich sind Hotels geschlossen, die Skilifte laufen – aber mit Einschränkungen. Es gilt grundsätzlich ganztags eine Ausgangsbeschränkung. Für Spaziergänge und Sport gibt es Ausnahmen. Während Indoor-Sportstätten geschlossen sind, bleiben Loipen und Eisflächen geöffnet.

In der Schlange zum Skilift müssen (ab dem Alter von 14 Jahren) FFP2-Masken getragen werden. Gondeln und abdeckbare Sessel dürfen nur zur Hälfte mit Skifahrern gefüllt werden.

In der Schweiz werden Gondelkabinen zu zwei Dritteln gefüllt. Sesselbahnen mit und ohne Haube dürfen ganz besetzt werden. Eine einfach Maske reicht aus.

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