Ausnahmeerscheinung
Ueli Maurer bleibt auch mit 69 Jahren im Amt: Wird er der neue Bundesrats-Dinosaurier?

Der SVP-Magistrat will mindestens vier weitere Jahre im Bundesrat bleiben. Damit ist er eine Ausnahmeerscheinung in jüngerer Zeit, wie ein Blick zurück zeigt.

Sven Altermatt,
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Wird im Dezember 69 Jahre alt: SVP-Bundesrat Ueli Maurer.

Wird im Dezember 69 Jahre alt: SVP-Bundesrat Ueli Maurer.

Severin Bigler

Die Modalitäten seines Rücktritts gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen eines Bundesrats. Das hält auch SVP-Magistrat Ueli Maurer nicht anders. Seit Anfang 2009 im Amt, ist der Zürcher inzwischen nicht nur der amtsälteste, sondern mit 68 Jahren auch der mit Abstand älteste Bundesrat. Kein Wunder, wird er – mehr oder weniger direkt – so oft wie kein anderer auf seine persönlichen Pläne angesprochen.

«Sie werden jetzt dann 69», rief aktuell die NZZ bei Maurer in Erinnerung – verbunden mit der Frage, ob er eigentlich noch vier Jahre im Amt bleiben wolle. Maurer antwortete wie immer: mit einer Mischung aus Schalk und Ernsthaftigkeit. Er bleibe bestimmt noch vier Jahre im Amt, bestätigte er, lasse aber offen, ob er dann 2023, 27 oder 31 zurücktrete.

Zwar liegt das Medianalter im Bundesrat höher als noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Doch Bundesräte im Rentenalter sind seltener geworden, nicht wenige verlassen das Gremium kurz vor dem ordentlichen AHV-Eintrittsalter.

Ueli Maurer ist seit 2009 Mitglied des Bundesrates – seine politische Karriere begann 1978 als Gemeinderat von Hinwil: ein Rückblick in Bildern
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1983 wurde Maurer in den Kantonsrat von Zürich gewählt, den er im letzten Jahr präsidierte.
1991 folgte der Sprung in den Nationalrat. Im selben Jahr verlor er die Wahl in den Zürcher Regierungsrat gegen Moritz Leuenberger. Im Bild mit Parteipräsident Christoph Blocher.
Von 1996 bis 2008 war Maurer Präsident der SVP Schweiz.
2007 kandidierte Maurer für den Ständerat, verlor im zweiten Wahlgang jedoch gegen die Grünliberale Verena Diener.
2008: Nach dem Rücktritt von Bundesrat Samuel Schmid nominierte die SVP-Fraktion neben Christoph Blocher auch Ueli Maurer für die Bundesratswahl.
Mit nur einer Stimme Vorsprung wird Maurer im dritten Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Im Bild: Ueli Maurer wird im Dezember 2008 als Bundesrat vereidigt.
Ueli Maurer ist seit 44 Jahren mit seiner Frau Anne-Claude verheiratet. Bild von 2008.
Niederlage für den damaligen Verteidigungsminister Maurer. Das Volk lehnt 2014 die Gripen-Kampfjets an der Urne ab. Im Bild mit dem damaligen Armee-Chef Andre Blattmann.
«Nei, kä Luscht»: Ueli Maurers Worte, als er nach der Bundesratswahl 2015 einen SRF-Reporter abblitzen liess, gelten heute fast als Kult.
2019 amtet er zum zweiten Mal als Bundespräsident, das erste Mal im Jahr 2013.
Zum ersten Mal besucht ein Schweizer Bundespräsident das Weisse Haus: Ueli Maurer trifft im Mai 2019 Donald Trump – und macht sich mit seinen Englisch-Kenntnissen unfreiwillig zum Gespött.
Ist auch für einen Spass zu haben: Ueli Maurer in den Fängen der Meitlisonntagvereinigung Meisterschwanden / Fahrwangen am Festumzug des Eidgenössischen Turnfests in Aarau 2019.
Mauserte sich in der Coronapandemie zum Krisenmanager: Ueli Maurer (im Bild mit Bundesrätin Viola Amherd und Guy Parmelin).

Ueli Maurer ist seit 2009 Mitglied des Bundesrates – seine politische Karriere begann 1978 als Gemeinderat von Hinwil: ein Rückblick in Bildern

Bild: Anthony Anex/Keystone (18. November 2020)

Am Ende der nächsten Legislatur wäre Maurer 73 Jahre alt. Damit würde er definitiv in den Reigen der ältesten Bundesräte seit der Gründung des Bundesstaats im Jahre 1848 aufsteigen, wäre aber noch weit entfernt vom Rekordhalter Adolf Deucher. Der Thurgauer Arzt war der älteste Bundesrat, den die Schweiz je hatte. Er verstarb 1912 mit 81 Jahren nach kurzer Krankheit im Amt.

Mit 29 Amtsjahren war Deucher auch einer der am längsten amtierenden Bundesräte. Ungeachtet dessen habe er «abgesehen von einer innert acht Tagen überwundenen Operation» seine Amtsgeschäfte stets «mit einer bemerkenswerten Präsenz ausgeübt», wie der Publizist Urs Paul Engeler im «Bundesratslexikon» schreibt.

Maurer dürfte dereinst ältester Demissionär sein

Trotzdem ist Ueli Maurer in jüngerer Zeit zweifellos eine Ausnahmeerscheinung. Einen Titel dürfte er nämlich schon auf sicher haben – egal, ob er nun mit 69, 71, 73 oder noch später abtreten wird. Maurer könnte neuer Bundesrats-Dinosaurier werden: Der älteste Demissionär seit der Einführung der Zauberformel im Jahr 1959.

Ältester Demissionär in jüngerer Zeit: SP-Bundesrat Pierre Graber.

Ältester Demissionär in jüngerer Zeit: SP-Bundesrat Pierre Graber.

Key

Bisheriger Titelhalter ist der Waadtländer Sozialdemokrat Pierre Graber, der 1978 im Alter von 69 Jahren zurücktrat. Mit einem Rücktrittsalter von je 68 folgen Hans-Rudolf Merz (FDP, im Amt von 2004–2010), Otto Stich (SP, 1984–1995) und Georges-André Chevallaz (FDP, 1974–1983) mit einem Rücktrittsalter von je 68 Jahren. SVP-Doyen Christoph Blocher war bei seiner Abwahl 2007 immerhin 67 Jahre alt.

In der Gründerzeit des Bundesstaats und in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts blieb eine Reihe von Magistraten bis ins höhere Alter im Bundesrat. Robert Comtesse, Gustave Ador und Josef Zemp schieden jeweils 74-jährig aus dem Amt.

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