Herr Giezendanner, die Urner haben einer zweiten Röhre mit richtungsversetztem Verkehr, wofür auch Sie sich mit einer Motion einsetzten, eine Abfuhr erteilt. Der Sicherheitsaspekt verfing nicht. Damit ist eine zweite Röhre vorerst vom Tisch?

Ulrich Giezendanner: Nein, sie ist nicht vom Tisch, überhaupt nicht. Wir Befürworter müssen uns selbst an der Nase nehmen: Wir haben uns für die Initiative der jungen SVP zu wenig eingesetzt. Die Vertreter der Alpeninitiative waren viel aktiver und haben mit falschen Tatsachen argumentiert.

Selbst der moderatere Gegenvorschlag der Urner Regierung, eine zweite Röhre zu bauen und die alte stillzulegen, wurde höherer Abstimmung. Wieso das?

Da verstehe ich das Urner Volk, dass es bei solch einem Blödsinn nicht mitmacht. Wieso soll man eine neue Röhre bauen, wenn nachher die alte stillgelegt wird.

Man könnte auch sagen: Die Urner habe das scheinheilige Anliegen für eine zweite Gotthardröhre durchschaut. Es würde bald darauf ein Begehren für vier Spuren kommen.

Es ist denkbar, das dem so ist. Das Volk müsste aber einer Änderung des Alpenschutzartikels zustimmen, der eine Kapazitätserweiterung verbietet. Wenn das Volk hier ja sagen würde, müsste man das so akzeptieren.

Wie geht es jetzt mit den Befürwortern weiter?

Wir haben gestern Morgen schon miteinander gesprochen. Wir wollen jetzt zuerst einmal genau wissen, wie stark das Tessiner Tourismus unter der vorübergehenden Schliessung während der Gotthardsanierung leiden wird. Zudem müssen wir endlich darüber diskutieren, welche Verlagerung von der Strasse auf die Schiene überhaupt möglich ist. Mit meinem Unternehmen erfahre ich auf der Bahn ständig Kapazitätsengpässe.

Und wie geht es in Uri weiter?

Wir können nach der Abstimmung vom Sonntag die Urner sicher nicht einfach überfahren und sagen, die ganze Schweiz entscheidet jetzt in dieser Frage. Wir müssten die Urner selbst mal befragen, welches ihre Bedürfnisse sind. Da käme eventuell raus, dass wir auch mal über Lärmschutzmassnahmen entlang der Autobahn reden müssten. So könnte ich mir vorstellen, dass die Urner unter veränderten Bedingungen nochmals über eine zweite Gotthardröhre abstimmen könnten.

Der Bundesrat ist gegen eine zweite Röhre und will für die Sanierungsüberbrückung eine Kombination aus Bahnverlad, Passtrasse und San Bernandino.

Damit bin ich nicht einverstanden, weil es dann keine Platz mehr hat für die jetzigen Güter auf der Bahn. Der Bahn würde Kapazität gestohlen. Wenn nach der Eröffnung der Neat im 2017 650 000 Lastwagen zusätzlich verlagert werden müssten, bräuchte dies rund 33000 Eisbahnzüge, wenn man 20 Vierzigtönner pro Güterzug rechnet. Das muss man sich mal vorstellen: Das sind 90 zusätzliche Güterzuge pro Tag. Da hat es für den bisherigen Güterverkehr keinen Platz mehr. Da verkehrt sich dann der Verlagerungsauftrag ins Gegenteil.