"Der Bischof ist der Arbeitgeber, der den Priester einstellt, ist der oberste Richter, der den Täter verurteilt, und der spirituelle Vater, der die Opfer schützt", sagte Betticher in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen vom Dienstag. Dieses Modell der drei Gewalten in einer Person sei "ungesund und unglaubwürdig". Es werde den Opfern nicht gerecht und die Bischöfe würden darunter leiden.

Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche müssen gemäss deren Richtlinien heute zwingend der Strafjustiz gemeldet werden. Kirchenintern ist primär der Bischof für deren Aufarbeitung zuständig.

Betticher schlägt vor, dass für jede nationale Bischofskonferenz ein Gerichtshof geschaffen werde, der sich mit Missbrauchsfällen befasse. Diesem Gericht sollten nicht nur Kirchenrechtler, sondern auch unabhängige Juristen, Psychiater und Ärzte angehören - Männer wie Frauen. Das neue Gericht müsse vom Papst ermächtigt entscheiden und urteilen können. "Das wäre völlig neu, gewiss. Bislang kann nur der Bischof Recht sprechen." Der Papst könnte solche Gerichtshöfe aber sofort einrichten. Betticher will seinen Vorschlag an der Konferenz der Schweizer Kirchenrechtler im September diskutieren lassen.

Der 59-jährige Betticher ist leitender Richter am interdiözesanen kirchlichen Gericht in Freiburg und Pfarrer in Bern. Der Freiburger Jurist und Theologe war zuvor unter anderem Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz, CVP-Grossrat in Freiburg, Sprecher von CVP-Bundesrätin Ruth Metzler sowie Offizial und Generalvikar im Westschweizer Bistum.