Urteil
Juristerei und Politik sind zweierlei: Weshalb Pierre Maudet trotz Freispruch kein Sieger ist

Die gesponserte Reise in die Emirate hat für den Genfer Polit-Shootingstar und einstigen Bundesratsanwärter der FDP keine strafrechtlichen Konsequenzen. Makel bleiben dennoch haften.

Doris Kleck
Doris Kleck
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Pierre Maudet ist zumindest juristisch rehabilitiert.

Pierre Maudet ist zumindest juristisch rehabilitiert.

Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE

Justiz und Politik sind zweierlei Gibt es doch ein gutes Ende für Pierre Maudet? Den tief gefallenen Shootingstar der Schweizer Politik, der seit drei Jahren auf juristischem Wege für seine Unschuld kämpft?

Gut möglich. Oder auch nicht. Der Fall ist voller Wendungen. Es würde nicht wundern, wenn Maudet 2023 bei den Genfer Wahlen wieder antritt - und sein politisches Comeback versucht. Versteckt hat er sich nie. Auch nicht nach seiner Verurteilung in erster Instanz.

Das Genfer Kantonsgericht hat Maudet nun vom Vorwurf der unerlaubten Vorteilsnahme freigesprochen. Die umstrittene Reise nach Abu-Dhabi, finanziert vom Kronprinzen des Emirats, bleibt ohne strafrechtliche Konsequenzen. Wobei der Fall noch an das Bundesgericht weitergezogen werden könnte.

Doch die Affäre hat eben nicht nur eine strafrechtliche Dimension. Maudet hat gelogen über die Finanzierung der Reise. Er hat gemeinsam mit seinem ehemaligen Stabschef und einem Freund eine Lüge konstruiert und einen Privatmann als Financier der Reise vorgeschoben. Der damalige Sicherheitsvorsteher stiftete seine Mitwisser an, die Justiz zu belügen. Er zeigte sich illoyal gegenüber seiner Partei.

Maudet hat um seine politische Karriere gekämpft. Es mangelte ihm dabei an Demut und Einsicht. Daran ändert auch das Urteil der zweiten Instanz nichts. Juristerei und Politik sind zweierlei.

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